Die Schere zwischen Manager-Gagen und Löhnen der Arbeitnehmer gehe weiter auseinander, kritisiert die AK. Bei der Telekom Austria stiegen die Manager-Gagen um 128 Prozent.
Erst gestern wurden genaue Zahlen zu den Gagenkaisern im Staatsdienst veröffentlicht. Heute legt die Arbeiterkammer (AK) nach und wirft einen Blick in die Privatwirtschaft. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Vorjahr sind die Managergehälter um satte 14,1 Prozent gestiegen, der durchschnittliche Bruttobezug eines Mitarbeiters bei einem ATX-Unternehmen dagegen nur um 3,2 Prozent.
Vorstände von ATX-Unternehmen kassierten damit im Jahr 2006 das 41-fache ihrer Mitarbeiter. Das geht aus einer AK-Studie hervor. Demnach erhielt ein Vorstand 1,135.721 Euro im Jahr, ein Arbeitnehmer verdiente 27.989 Euro im Jahr.
Gagenkaiser bei der OMV
Die höchsten Vorstandsgagen zahlte 2006 die OMV mit 2,4 Mio. Euro pro Person. Die größte Gagenerhöhung gegenüber dem Vorjahr streiften die Manager der Telekom Austria ein: Ihre Bezüge stiegen um 128 Prozent.
"Damit geht die Schere zwischen den Löhnen der österreichischen Beschäftigten und den Managergehälter noch weiter auseinander", sagte dazu AK-Direktor Werner Muhm: "Während die Gagen in den oberen Etagen vor allem wegen steuerlich begünstigter Stock Options explodieren, gleichen die Gehaltserhöhungen bei den Mitarbeitern kaum die steigenden Lebens- und Wohnkosten aus."
Die Arbeiterkammer Wien hat auf Basis der im Jahr 2007 veröffentlichten Geschäftsberichte (Bilanzjahr 2006) die Entwicklung der Vorstandsgehälter der ATX-Unternehmen untersucht. Die Ergebnisse: Die Schere zwischen den Einkommen der Arbeitnehmer und jener der Top-Managergagen hat sich drastisch vergrößert. Die höchsten Pro-Kopf Managementvergütungen weist die OMV auf (2,4 Mio. Euro) aus, gefolgt von Andritz (2,3 Mio. Euro), Telekom Austria (2,1 Mio. Euro), Erste Bank (1,9 Mio. Euro) und A-tec Industries (1,6 Mio. Euro).
Aktienoptionen steuerlich begünstigt
Hauptgrund für die stark steigenden Top-Gagen sind laut AK die Stock-Options (Aktienoptionen), die seit 2001 in Österreich steuerlich begünstigt sind. Dies komme nur einem kleinen Kreis von Spitzenmanagern zugute, der Großteil der Bevölkerung profitiere von der steuerlichen Begünstigung nicht.
Daher fordert die AK die Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Aktienoptionen und mehr Transparenz der tatsächlichen Kosten von Stock Option-Plänen: Unternehmen sollen angeben, welche Belastung des Unternehmensgewinns durch Stock Options Programme entsteht.
Mit einem Kriterienkatalog will die AK die Angemessenheit der Managergehälter überprüfen. Managergehälter, die mehr als das 20-fache der Angestelltengehälter betragen, sollen nach Vorstellungen der AK nicht zur Gänze als Betriebsausgaben geltend gemacht werden können. Die Entlohnung von Vorständen solle zudem nicht allein nach finanziellen, sondern auch sozialen Kriterien erfolgen: Das Kriterium "Schaffung von neuen Arbeitsplätzen" dürfe etwa in keinem Kriterienkatalog fehlen, so die Arbeiterkammer.
Zum Zeitpunkt der Auswertung waren folgende Unternehmen im ATX notiert: A-Tec Industries, Andritz, Austrian Airlines, Bwin, Böhler-Uddeholm, Erste Bank, Flughafen Wien, Intercell, Mayr-Melnhof Karton, Österreichische Post, OMV, Raiffeisen International, RHI, Strabag SE, Telekom Austria, Verbund, Voest Alpine, Wr. Städtische, Wienerberger und Zumtobel.
Nur Schoeller-Bleckmann Oilfield ist aufgrund fehlender Angaben über Vorstandsmitglieder bzw. Geschäftsführer der Tochterunternehmen in der Analyse nicht inkludiert, erklärte Studienautor Heinz Leitsmüller. Insgesamt beschäftigten die ATX-Unternehmen 355.790 Mitarbeiter. (Ag./phu)