Glanz und Elend der "Zeit im Bild"

'ZiB' Im Bild: ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz (Live-Zuspielung), Hannelore Veit. Mit dem ORF täglich bestens informiert: Hannelore Veit meldete sich am 10. April um 9.00 in ORF 2 mit den topaktuellen Ereignissen des Tages erstmals aus dem neu designten 'ZiB'-Studio. SENDUNG: ORF2, DI, 10.04.2007, 09:00 UHR
'ZiB' Im Bild: ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz (Live-Zuspielung), Hannelore Veit. Mit dem ORF täglich bestens informiert: Hannelore Veit meldete sich am 10. April um 9.00 in ORF 2 mit den topaktuellen Ereignissen des Tages erstmals aus dem neu designten 'ZiB'-Studio. SENDUNG: ORF2, DI, 10.04.2007, 09:00 UHRORF
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Die "ZiB" verliert Zuschauer. Gute "Public-Value"-Werte sind ein schwaches Trostpflaster. Videowände sollen die die Nachrichtensendung ab 2008 optisch auffrischen.

Die gute Nachricht zuerst: Die APA-Tochter MediaWatch attestiert dem Info-Flaggschiff des ORF, der „Zeit im Bild“, im internationalen Vergleich „gute Public-Value-Werte“: Es gebe seit der Reform mehr Politik-Berichterstattung und weniger Politiker-Sprechblasen (die Politiker selbst kommen nicht mehr so lange zu Wort, dafür werden die Beiträge stärker von Journalisten gestaltet). Das Verhältnis von „hard news“ (knapp die Hälfte der Sendezeit entfällt auf Politik) zu „soft news“ (z. B. Chronik, Gesundheit) sei durch die Reform unverändert geblieben – und entspricht laut MediaWatch weitgehend jenem, das auch in deutschen öffentlich-rechtlichen TV-Nachrichten herrscht.

Wer sich jedoch mit Stethoskop und Röntgen dem Herzen der ORF-Information nähert, der hört und sieht, dass es vor allem unter einem leidet: mangelndem Zuspruch. Weit über 1,4 Millionen Zuschauer (und weit über 60% Marktanteil in der Zielgruppe 12+) hatte die „Zeit im Bild“ noch vor einigen Jahren. 2001 wurde dieser Wert übers Jahr gerechnet täglich erreicht. 2006 lag der ORF mit seinen Hauptnachrichten knapp unter 1,3 Millionen Zuschauern und bei 57% Marktanteil (gut zwei Drittel davon schauten auf ORF2 zu, der Rest via ORF1).

„ZiB20“ wiegt Verluste nicht ganz auf

Seit der Reform im April 2007 sackte die Zuschauerzahl der „ZiB“ (die nur mehr auf ORF2 zu sehen ist) deutlich ab – knapp 960.000 Zuschauer sollen es bis dato im Durchschnitt seit Jänner sein, berechnet man die Zuschauerzahl erst ab der Reform, sind es überhaupt nur etwas mehr als 930.000 „ZiB“-Konsumenten täglich. Zwar hat es der ORF geschafft, mit der „ZiB20“ auch ein jüngeres Publikum auf ORF1 mit Nachrichten anzusprechen – mit etwas mehr als 180.000 Zuschauern und ca. zehn Prozent Marktanteil kann das Format allerdings die mit dem Ende der Durchschaltung weggebrochenen Seherzahlen nicht ganz aufwiegen. Unterm Strich steht für den ORF ein Quotenverlust bei den Hauptnachrichten. Auch die Zahlen der „ZiB2“ zeigen talwärts: Sie sind von gut 600.000 Zuschauern im Jahr 2001 über ca. 560.000 im Vorjahr auf nunmehr gut 500.000 gesunken – schauten früher knapp ein Drittel der TV-Konsumenten zu, ist es jetzt weniger als ein Viertel.

Stefan Ströbitzer, Sendungsverantwortlicher der „Zeit im Bild“ und Info-Chef von ORF2, zeigt sich in einem Interview mit der Austria Presse Agentur aber optimistisch: Es sei trotz Abschaffung der Durchschaltung gelungen, „das Publikum im Wesentlichen zu halten“, auch wenn es jetzt „natürlich ein bisschen weniger“ Zuschauer sind. Mit den Marktanteilen sei er zufrieden: „Vorher hatte die ,Zeit im Bild 1‘ zwischen 56 und 60 Prozent Marktanteil, jetzt kommen ,ZiB1‘ und ,ZiB20‘ zusammengerechnet auf 58 bis 62 Prozent.“ Die „ZiB2“ befinde sich „auf Vorjahresniveau“ – wenn man den Hype rund um die Nationalratswahl abzieht.

Laut MediaWatch entfielen 2007 ein Viertel der Beiträge der „ZiB“ auf Innenpolitik – die damit auch ohne Wahlkämpfe im Vergleich zu 2006 leicht zulegte. Dahinter rangiert die Weltpolitik mit einem Anteil von 15% – damit hat die „ZiB“-Redaktion knapp die Hälfte ihrer Sendezeit politischen Themen gewidmet. Die Berichterstattung über Umwelt und Natur (z.B. Klimawandel) wurde fast vervierfacht; die EU-Berichterstattung hingegen nach Ende der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft halbiert.

Der ORF hat laut Ströbitzer in einer Studie die Zufriedenheit der Zuschauer mit der „ZiB“ abfragen lassen. Fazit: Studioanalysen, Live-Schaltungen und erklärende Grafiken werden gut angenommen; zwei Drittel der Zuschauer begrüßen die Doppelmoderation. Interventionen aus Politikkreisen gebe es nach wie vor, so Ströbitzer im APA-Interview: „Die machen ihren Job, wir machen unseren.“ Gesendet werde nur, „was relevant ist“. Und das „Moltofon“? „Das ist in der ,Donnerstagnacht‘ noch in Betrieb, was ich gesehen hab. Bei mir war es nie in Betrieb, und es wurde auch nicht durch ein ,Gusifon‘ abgelöst.“ Und trotz BZÖ-Kritik an der ORF-Information „wird auch diese Partei von uns behandelt wie jede andere“.

Optisches „ZiB“-Lifting 2008

Optisch erhält das „ZiB“-Studio demnächst abermals ein Lifting: „Wir sind im Newsroom mitten in der zweiten Ausbauphase. Wir vervollständigen das Studio mit Vidiwalls.“ Künftig werden mit Ausnahme von „Im Zentrum“ und „Club2“ alle Sendungen der Fernsehinformation aus dem Newsroom gesendet. „,Hohes Haus‘, ,Pressestunde‘ und der ,Runde Tisch‘ kehren in den Newsroom zurück und kommen damit optisch in die Welt der ,Zeit im Bild‘-Familie“, so Ströbitzer. Das soll im ersten Quartal 2008 über die Bühne gehen. Ebenso geplant ist dem Vernehmen nach eine Reform des „Report“; für „Im Zentrum“ wird hinter den Kulissen nach einem fixen Moderator, einem „Gesicht“ gesucht.

ZEIT IM BILD

Zuseherschwund: Von 1,4 Millionen (2001) über knapp 1,3 Millionen (2006) auf etwas mehr als 930.000 nach der Reform für die „ZiB1“ (auf ORF2) und ca. 180.000 für die „ZiB20“ (auf ORF1).

Public Value: Knapp 50% der „ZiB“ entfällt auf Politik; das Verhältnis „hard“ zu „soft news“ entspricht in etwa ARD und ZDF.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2007)

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