Ob Irans Mullahs doch die Bombe bauen und die Taliban in Afghanistan weiter an Terrain gewinnen: Der Schlüssel dazu liegt in Pakistan.
Das Land stürzt ins Chaos. Fanatische Islamisten reißen in Pakistan die Macht an sich und bekommen ein Arsenal an Atomwaffen und ballistischen Raketen in die Hände. Diese Horrorvision bereitet westlichen Strategen schon lange schlaflose Nächte. Und der Mord an der populären Oppositionspolitikerin Benazir Bhutto wird sie noch tiefer in die Insomnie fallen lassen.
Was in Pakistan passiert, hat Auswirkungen auf die gesamte Region – dafür müssen die befürchteten Worst-Case-Szenarien gar nicht voll eintreten. Jedes Anzeichen wachsender Instabilität in Islamabad reicht, um die Ängste der Nachbarn – allen voran Indien und Iran – zu schüren. Die Sorge über Pakistans Nuklearbewaffnung ist schon jetzt einer der Gründe, warum Teherans Mullahs mit dem Bau der Atombombe liebäugeln.
Zudem ist Pakistan das Schlüsselland für Erfolg oder Misserfolg des Westens in Afghanistan. In Pakistan liegen die Rückzugsgebiete der Taliban, die für die Nato zu einer immer größeren Herausforderung werden. Um die Taliban in die Schranken zu weisen, bedarf es der Hilfe Islamabads. Von einem geschwächten pakistanischen Staat wird tatkräftige Unterstützung bei der Stabilisierung Afghanistans aber nicht zu erwarten sein.
Die USA hatten gehofft, Pakistan mit einem Führungsduo Musharraf-Bhutto wieder in ruhige Bahnen lenken zu können – eine Hoffnung, die ganz gezielt weggebombt wurde. (Berichte: S. 1, 2)
wieland.schneider@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2007)