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EM: Mit Musik gegen Hooligans

Die Presse (Fabry)
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Lokale sollen sich mit Videoüberwachung und „gedämpfter Musik“ gegen Hooligans rüsten.

Wien. Die Wirtschaftskammer (WKO) hat sich so ihre Gedanken gemacht. Wenn nämlich im Juni anlässlich der Euro 2008 hunderttausende Fußballfans in die heimischen Lokale einfallen, muss das nicht nur ein fettes Umsatzplus bringen, sondern eventuell auch Probleme. Biergläser, die von betrunkenen Fans quer durchs Lokal geworfen werden. Und so weiter.

Die WKO hat also bei der Wiener Polizei nachgefragt und nun eine Liste mit „Präventionstipps“ erstellt. Die soll Gastronomiebetrieben, die vom Fan-Ansturm betroffen sein werden (etwa weil sie in Bahnhofs-Nähe liegen) dazu ermuntern, Maßnahmen zu setzen, um unschöne Szenen in ihren Lokalen zu vermeiden.

Als da etwa wäre: Eine Videoüberwachungsanlage installieren. Aber Achtung, warnt die WKO: „Genehmigungspflicht“. Und genau das könnte der Haken sein, was man auch bei der Wirtschaftskammer selbst so sieht. „Es wird wohl nicht leicht, eine Genehmigung zu bekommen“, ahnt Christian Dosek, für die Betreuung von Unternehmen während der Euro zuständig. Diese könnte sich zwar zeitlich ausgehen. Allerdings stößt die Vorstellung, dass Lokale massenweise Videoüberwachung installieren könnten, bei der Datenschutzkommission „nicht gerade auf enthusiastische Zustimmung“, wie es Geschäftsführerin Waltraut Kotschy formuliert. Denn das Aufzeichnen von Bildern wird nur genehmigt, wenn nachgewiesen werden kann, dass „ein höheres Gefährdungspotzenzial herrscht“. So müsste ein Wirt etwa im Vorfeld begründen können, dass unter seinen Gästen auch Fans mit Hang zum Vandalismus sein werden. „Dann kann man drüber reden“, sagt sie. „Das werden wir uns aber einzeln genau anschauen.“ Sollte ein Ansturm auf Videoüberwachung einsetzen, erwägt Kotschy, ihre Kontrollore während der Euro vermehrt loszuschicken. „Wahrscheinlich“, sagt Dosik von der WKO, „ist oft ein Security-Mitarbeiter empfehlenswerter.“

Nur bedingt, sagen die Security-Firmen. „Das wird eine Gratwanderung“, glaubt Dieter Herbst vom Österreichischen Wachdienst. Denn die Sicherheitsdienste plagen ohnehin schon Personal-Probleme. „Da könnten dann unseriöse Sicherheitsfirmen zum Zug kommen“, meint Martin Wiesinger, Geschäftsführer von „Securitas“. Herbst sieht das ähnlich. „Und mit unseriösen Personal hat man dann erst recht Probleme“. Auch vom Vorschlag der WK, dass die Gastronomen notfalls ja selbst Sicherheits-Leute ausbilden könnten, hält man wenig. „Soll dann ein Koch vor der Tür aufpassen?“, so Herbst.

Kritik an den „Präventionstipps“ kommt auch aus den eigenen Reihen. Der Obmann der Gastronomen in der Wiener Wirtschaftskammer, Walter Piller, hält wenig vom Aufrüsten mit Kameras und Türstehern. „Wir freuen uns, dass wir Gastgeber sind und sind auch so gut vorbereitet.“ Dass die Gastronomen die Tipps befolgen werden – allein in Wiens Innenstadt wären das 930 Lokale – glaubt er nicht.

Schon leichter umzusetzen sind andere Tipps auf der Liste: Etwa die Tische rasch abzuräumen, was zu einer „Reduzierung möglicher Wurfgegenstände“ führen soll. Und überhaupt: Die Musik. Damit die Fans gar nicht erst auf die Idee kommen, ihre Schlachtgesänge gegeneinander anzugrölen, empfiehlt die WKO „Musikuntermalung mit dämpfender, aber nicht einschläfernder Musik“. Wer jetzt Kaufhaus-Beschallung vermutet, irrt. Denn die Musik sollte „eher zum Mitsingen anregen“. „Dadurch“, so die Überzeugung, „können Schlachtgesänge unterbunden werden.“ Damit die Fans gar nicht erst auf die Idee kommen, selbst zu singen, „soll die Musik laut genug sein“, so Dosek. Und gleichzeitig aber ja nicht aggressiv machen. Gar nicht so einfach. „Sommerhits, die man auch im Schwimmbad hört“, schlägt Dosek vor. Aber ja nicht „Rave, der ist aggressionsfördernd“.

Und da sage noch einer, die Euro sei noch immer nicht bis ins kleinste Detail geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2008)