Wasserstoffauto wird zu Eis

BMW
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Olafur Eliasson engagiert sich im PKW-Marketing, Gelitin inszenieren sich in Paris: Welche Künstler 2008 international auf dem Kunstmarkt durchstarten werden.

Einen besseren Marketingeffekt für ein Auto hat es wohl noch nie gegeben: Einer der weltweit gefragtesten Künstler, der noch dazu für sein ökologisches Engagement bekannt ist, verwandelt einen wasserstoffbetriebenen Luxus-Prototypen in ein Kunstwerk. Das dann in einem Museum präsentiert wird. Diese, euphemistisch ausgedrückt, doch etwas delikate Mischung wird ab Ende Mai in der Pinakothek der Moderne in München zu bestaunen sein, wenn der dänische Kunstszene-Darling Olafur Eliasson das sechzehnte „BMW Art Car“ präsentiert – er war also nicht der erste – immerhin, aber von Andy Warhol (der 1979 das „Art Car“ gestaltete) war ja auch, anders als von Jenny Holzer (1999), nichts zu erwarten als Affirmation. Bisher haben in der 1975 gestarteten „Art-Car“-Serie die Künstler, darunter auch Roy Lichtenstein (1977) und Ernst Fuchs (1982) und Robert Rauschenberg (1986), die Autos im Wesentlichen schlicht angemalt.

Viel Licht in New York

Doch nicht nur das Eis zwischen Kunst und Kapital wird auf jeden Fall weiter schmelzen, schmelzen wird auch Eliassons Art Car, es besteht nämlich zur Gänze aus einer fragilen Eishaut. Und nichts wird überbleiben, außer einer garantiert hochglänzenden Dokumentation des Ganzen. Wie auch immer, 2008 wird ein weiteres fettes Jahr am Markt werden für Eliasson, ab 20.April erhält der Kiesler-Preisträger die höchsten Weihen eines zeitgenössischen Künstlers, eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York, mit vielen aufwendigen Glas- und Spiegelinstallationen, Fotos und Skulpturen, die meist um das Phänomen des Lichts kreisen und schimmern und glänzen. Ende Juni folgt eine weitere Eliasson-Schau in Barcelona, wo er den ersten Miró-Preis erhält.

Einen weiteren Sprung, nicht nur in der kunsthistorischen Etablierung, sondern wohl auch im (sowieso schon in Millionenhöhen schwindelnden) Preis wird der schottische Maler Peter Doig heuer machen: Von 5.2. bis 27.3. wird ihm in der Tate Britain in London eine Retrospektive ausgerichtet, sie wird in die Schirn-Kunsthalle in Frankfurt und ins Musée d'Art moderne de la Ville de Paris weiterwandern.

Aufsteiger: Gelitin, Muntean/Rosenblum

Während in der Schirn wieder einmal die (immer noch unterschätzten) Impressionistinnen – Berthe Morisot, Mary Cassatt, Eva Gonzales und Marie Bracquemond – entdeckt werden, darf es sich im Pariser Modernemuseum eine Gruppe sympathisch verrückter Österreicher bequem machen: Gelitin inszenieren sich hier von 12.März bis 11.Mai, wohl in ausgreifenden Materialschlachten. Gelitin ist übrigens eine von nur zwei österreichischen Kunstpositionen, die vom Magazin „Artinvestor“ in seiner aktuellen Liste der „jungen Aufsteiger“ geführt werden, gemessen nach der internationalen Präsenz. Noch vertreten: Das Malerei-Duo Muntean/Rosenblum.

Aber wir geben nicht so leicht auf: Mit Markus Schinwald wird 2008 ein weiterer jüngerer österreichischer Künstler international mit einer seltenen Einzelschau präsent sein: Von 16.Februar bis 18.Mai lässt der geborene Salzburger im Migrosmuseum in Zürich seine Puppen beziehungsweise Performer tanzen. Und Erwin Wurms in Wien gestartete Retrospektive wandert weiter ins Kunstmuseum St. Gallen.

Schließlich darf gepokert werden, wie sich der Kokoschka-Boom zu Jahresanfang in Wien auf den Markt auswirkt: Das im Belvedere gezeigte Frühwerk ist zwar bereits teuer abgesichert. Das Spätwerk hingegen, das die Albertina ab 14.April zu rehabilitieren sucht, hat markttechnisch gesehen noch ziemlich Potenzial.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2008)

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