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Andreas Khol, der neue Linke

Während der rote Sozialminister als herzloser Technokrat dasteht, macht der konservative Zuchtmeister von einst auf soziales Gewissen.

Von Bruno Kreisky stammt das Bonmot: Je älter er werde, desto linker werde er. Das scheint nun auch für Andreas Khol zu gelten. Im November demonstrierte er gemeinsam mit Charly Blecha für die Anhebung der Pensionen, verteidigte diese dann auch mit Verve gegen die Experten und die Junge ÖVP. Zu Jahresbeginn fordert Khol nun – wieder in Einklang mit der SPÖ – eine Erhöhung der Negativsteuer für die Armen.

Wir erinnern uns: Andreas Khol, das war der konservative Zuchtmeister der „neoliberalen“ Speed-kills-Regierung in Schwarz-Blau. Doch wie pflegte er damals schon gerne zu sagen, in dem er Francis Bacon (auch so ein Machiavellist) zitierte: „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.“ Das gilt nun auch für ihn selbst. Jetzt, da er schwarzer Pensionisten-Chef ist, sind es eben die (christlich-)sozialen Werte, die zählen. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, Politik ist schließlich reine Interessensvertretung, mag er sich denken.

Und mit seinem persönlichen, kleinen Linksruck erweist der Realpolitiker Khol auch seiner Partei einen schönen Dienst: Neben ihm wirkt SPÖ-Sozialminister Erwin Buchinger mit seiner Weigerung, die Pflegeamnestie zu verlängern, wie ein kühler, herzloser Technokrat aus der Schüssel-Ära. Was auch die Populistin Gabi Burgstaller bereits erkannt und soeben bei der SPÖ-Klausur deponiert hat.

Fehlt eigentlich nur noch, dass Andreas Khol in Bälde mit bebender Stimme die Worte „Es ist kalt geworden in diesem Land“ ausspricht. (Bericht: S. 2)


oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2008)