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Großbritannien: "Finanzkrise schwappt auf Realwirtschaft über"

(c) AP (Lefteris Pitarakis)
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Britische Banken haben ihr Kreditangebot an Privathaushalte erheblich eingeschränkt. Die Auflagen für Kredite wurden massiv verschärft.

Die Verfügbarkeit von gesicherten Darlehen ist in Großbritannien im letzten Quartal 2007 deutlich gesunken. Gleichzeitig stiegen die Zinsaufschläge erheblich. Das geht aus einer vierteljährlich durchgeführten Umfrage der Bank of England hervor, berichtet die "Financial Times Deutschland".

Die Banken werden vorsichtiger und haben die Kreditverfügbarkeit laut der Umfrage eingeschränkt. Für Banken wird es immer schwerer, Kreditrisiken weiterzureichen oder außerhalb der Bilanz zu platzieren. Auch die Refinanzierung am Geldmarkt hat sich verteuert.

"Finanzkrise schwappt auf Konsum über"

"Das ist sehr beängstigend. Die Umfrage ist ein Indiz, dass die Finanzkrise stärker in die Realwirtschaft überschwappt, auch auf den Konsum", sagte David Milleker, Chefvolkswirt bei Union Investment. Für Jahresbeginn 2008 rechnet die Bank of England mit einer weiteren Verschärfung der Situation.

Die britische Kreditumfrage zeigt erstmals, dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten auch massive Folgen für die Kreditvergabe an Haushalte nach sich ziehen. Bislang hatten die US-Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) vorwiegend Auswirkungen auf Unternehmen bestätigt. Allerdings legen Fed und EZB vergleichbare Ergebnisse zum vierten Quartal 2007 erst im Februar vor. "Auch dort dürfte sich die Kreditvergabe verschärft haben, auch für Haushalte", mutmaßt Milleker laut "Financial Times Deutschland".

Besonders für die USA könnte ein Kappen der Kreditvergabe an Haushalte den Konsum - zusätzlich zur Krise am Häusermarkt - massiv belasten. Erst am Mittwoch hatte das Bekanntwerden des schwachen ISM-Einkaufsmanagerindex, wie "DiePresse.com" berichtete, Ängste vor einer Rezession in der weltgrößten Wirtschaft geschürt. "Wenn die Verfügbarkeit der Kredite für Haushalte schwindet, erhöht das den Abwärtsdruck auf die Konsumausgaben", warnt auch Howard Archer, Großbritannien-Chefvolkswirt bei Global Insight.

Britische Einzelhändler klagen

Das vorläufige Ende des Immobilienbooms in Großbritannien macht aber auch den Einzelhändlern auf der Insel zu schaffen. Ähnlich wie in den USA haben die Briten ihren Konsum zuletzt stark auf Pump finanziert. Folglich hat sich das Kreditvolumen für Unternehmen ebenfalls "signifikant" reduziert.

Angesichts der gedämpften Kauflaune der Verbraucher warnte der Betreiber von Elektronik-Ketten wie Currys und PC World, DSG International vor einem unerwartet geringen Gewinn. Die Modehauskette Next blickt ebenfalls "extrem vorsichtig" in das neue Jahr. (phu)