TSCHECHIEN: Prager Flughafen Ruzyne vor Verkauf

Die Tschechen wollen den Wiener Flughafen ein- und überholen.

PRAG/WIEN. Die im Herbst 2007 von der tschechischen Regierung beschlossene Privatisierung des Prager Flughafens Ruzyne nimmt konkrete Formen an. Der Staat will sich bis Ende 2008 endgültig von einem seiner größten und profitabelsten Unternehmen trennen.

Der größte Flughafen in den neuen EU-Staaten weist ein stabiles Wachstum auf, der Vorsprung gegenüber anderen Ost-Standorten wird kontinuierlich größer. Nun will das Management auch Wien, der Nummer eins in Mittel- und Osteuropa, den Kampf ansagen: Als primäres Ziel wurde das Ein- und Überholen des Wiener Flughafens formuliert. Im Vorjahr fertigte Ruzyne 11,5 Mio. Passagiere ab – rund siebzig Prozent der Passagierzahl von Wien. Als Reingewinn wurde eine Mrd. Kronen (rund 37 Mio. Euro) erwirtschaftet.

Angesichts der exzellenten Zukunftsprognosen gehen Experten von einem Privatisierungserlös in Höhe von 70 bis 100 Mrd. Kronen aus. Dieser soll grundsätzlich in den staatlichen Verkehrsinfrastrukturfonds fließen. Finanzminister Miroslav Kalousek hat jedoch bereits angekündigt, einen möglichst hohen Teilbetrag als sogenannten „Transformationspolster“ für die geplante Pensionsreform verwenden zu wollen.

Nummer zwei in Osteuropa

Erwartungsgemäß weckt die positive Entwicklung des Prager Standorts das Interesse zahlreicher Investoren. Neben Interessenten aus Russland und Deutschland will auch der Flughafen Wien die Privatisierung genau unter die Lupe nehmen.

Die schrittweise Privatisierung, die von der Credit Suisse Securities begleitet wird, soll im Frühjahr 2008 mit einem detaillierten Zeit- und Projektplan versehen werden. Dieser Zeitplan sollte – so der Wunsch der Regierung – auch mit der parallel laufenden Privatisierung der staatlichen Fluglinie CSA (Ceské Aerolinie) abgestimmt werden – auch hier hat bereits mit der Aeroflot, die wie die CSA Mitglied der Flugallianz SkyTeam ist, ein russischer Investor starkes Interesse bekundet.

Derzeit befindet sich mit der Gründung einer Aktiengesellschaft mit dem Staat als Alleineigentümer sowie der Vermögensübertragung vom Staatsunternehmen an die AG das erste Teilprojekt in Umsetzung. In Folge muss auch die Grundsatzentscheidung über die konkrete Ausgestaltung der Privatisierung getroffen werden.

Laut Flughafen-Chef Miroslav Dvorák kommen theoretisch drei Varianten in Frage: ein langfristiges Mietverhältnis, ein vollständiger Verkauf oder die Emission von lediglich einem Teil der Aktien an der Börse. „Die günstigste Variante wird das Finanzministerium als Alleinaktionär und Vertreter des Staates auf Grundlage von Expertisen der beauftragten Consulter wählen“, meinte Dvorák.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2008)

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