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Mobilität: Auslandsstudiumals später Karrieremotor

AP (Oliver Multhaup)
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Je ferner das Zielland, umso lohnender das Auslandssemester, so eine Studie.

LInz/WIen. Studieren in Indien, Nepal oder Nicaragua? Was abenteuerlich klingt, kann die Jobchancen nachhaltig verbessern. Wie und weshalb? Das war diesmal Thema der jährlichen „International Week“ an der Johannes Kepler Universität in Linz.

„An der Uni bekommen die Studenten eine Fachausbildung auf hohem Niveau, aber am Arbeitsmarkt werden Soft-Skills immer wichtiger“, so Gabriele Kostis, Vizerektorin für Forschung. Man versuche zwar, diese auch in der Lehre zu vermitteln und zudem die Unis zu internationalisieren, etwa indem man ausländische Gastprofessoren und Studenten hole. „Aber die Erfahrung ist bei einem Auslandsaufenthalt auf einem ganz anderen Niveau.“

Für späteren Erfolg entscheidend sei der Auslandsaufenthalt laut Veronika Wittmann (Zentrum für Soziale und Interkulturelle Kompetenz) deshalb, „weil man lernt, sich in einer nicht bekannten Umgebung zu orientieren. Das wirkt sich besonders in Gegenden aus, in denen es ganz andere Voraussetzungen bei Infrastruktur und Kultur gibt.“ Die Studenten würden dabei „immense Lernschritte“ machen.

Wie sich diese Erfahrungen konkret auf die Karriere auswirken, haben Hanns Peter Euler und Ursula Rami in einer Studie über das „Kepler Internationalisierungsprogramm“ (KIP) erhoben. Beim Start 1991 wurden 25 Studien- und Forschungsaufenthalte sowie Praktika gefördert, mittlerweile sind es 700 pro Jahr.

Das Ergebnis der Analyse von 500 repräsentativen Karrierewegen war „verblüffend eindeutig“, so die Studienautoren. Der Auslandsaufenthalt verbesserte Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle und sozial-kommunikative Fähigkeiten. „Gerade der persönliche Kontakt mit anderen sozialen Milieus und kulturellen Divergenzen fordert und fördert überfachliche Kompetenzen zur Überwindung von Problemstellungen und sozialen Barrieren.“


Nicht immer gleiche Wirkung

Aber: Nicht alle Auslandsaufenthalte zeigen die gleiche Wirkung. Die ist umso größer, je andersartiger die Kultur des Gastlandes, je intensiver sich der Student mit der dortigen Sprache beschäftigt und Kontakt zur Bevölkerung sucht. Der Auslandsaufenthalt bedeutet laut der Studie auch nicht von Anfang an bessere Karten im Beruf: Erst nach dem vierten Berufsjahr haben Absolventen mit Auslandserfahrung mehr Erfolg als jene, die nur in Österreich studiert haben. Sie werden oft erfolgreich selbstständig und steigen in höhere Positionen – überwiegend in Klein- und Mittelbetrieben – auf.

Und, ein weiterer Bonus, sie sind flexibler bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes. Wittmann: „Wenn Studenten eine außergewöhnliche Destination für den Auslandsaufenthalt gewählt haben, arbeiten sie tendenziell auch danach im Ausland. Sie haben viele nomadische Elemente in sich.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2008)