Stimmungswandel: Zufriedenheit im Land sinkt

Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Umfrage. Durch Wirtschafts-Aufschwung bedingtes Hochgefühl nun wieder gedämpft. Die Österreicher wollen in erster Linie Ruhe und Sicherheit, nur keine Veränderungen.

Wien. Die herbstliche Euphorie, beflügelt vom Wirtschaftsaufschwung, ist verflogen. Das Hochgefühl vom vergangenen Oktober ist einer kritischeren, realistischeren Sicht gewichen. Die Zufriedenheit der Bürger ist gesunken. Gejammert wird allerdings noch immer auf hohem Niveau.

In nahezu allen Punkten, die vom Meinungsforschungsinstitut IMAS exklusiv für die „Presse“ zum Jahreswechsel abgefragt wurden, lag die Zufriedenheit der Österreicher hinter den Werten vom Oktober 2007. Damals hatte es in fast allen abgefragten Themenfeldern einen teils recht deutlichen Aufwärtstrend im Vergleich zur IMAS-Umfrage im Juli gegeben.

Am zufriedensten sind die Österreicher nach wie vor – zu 86 Prozent – mit ihrem Lebensstandard. Trotz eines Minus von drei Prozentpunkten gegenüber Oktober. Platz zwei nimmt die Meinungsfreiheit ein, Platz drei die Gesundheitsversorgung. Auch hier nahm die Zufriedenheit leicht ab.

Drastisch gesunken ist das Vertrauen der Österreicher in vier Bereichen: Hinsichtlich des Zustands der Umwelt (minus zwölf Prozentpunkte), bei der Sicherheit vor Kriminalität, der Tätigkeit von Polizei und Gerichten und der Sicherung der Pensionen (je minus sechs Prozentpunkte). Es lässt sich also sagen, dass vor allem das Sicherheitsgefühl der Österreicher deutlich abgenommen hat.

Vertrauenszuwächse gab es lediglich bei der Frage nach der Betreuung von alten und pflegebedürftigen Menschen (plus ein Prozent) und dem Angebot an Arbeitsplätzen (plus zwei Prozent).

Politik am Ende der Skala

Am unteren Ende der Skala rangiert wie gewohnt das politische Klima zwischen den Parteien. Nur 32 Prozent sind damit zufrieden. Der Wert für den Bundeskanzler hat sich von 50 auf 49 Prozent leicht verschlechtert. Wie nicht anders zu erwarten, sind es vor allem die SPÖ-Wähler, die zu 76 Prozent mit Alfred Gusenbauers Performance zufrieden sind. Von den ÖVP-Wählern sind es nur 36, bei FPÖ/BZÖ-Wählern 38 Prozent. Erstaunlicherweise sind die Grünen-Wähler mit Gusenbauer durchaus glücklich: 53 Prozent sind mit dessen Arbeit zufrieden.

„Die Österreicher spüren einen tiefen Verdruss über die Art, wie die Parteien ihre Konflikte ausfechten“, meint IMAS-Geschäftsführer Andreas Kirschhofer. Zum anderen bestehe aber ein hohes Maß an Einverständnis mit den Lebensverhältnissen im Land. Ganz so unbefangen wie im Oktober sei die Stimmung aber nicht mehr.

Aus seinen Daten zieht Kirschhofer einen interessanten Schluss: „Es gibt Züge einer gewissen Behäbigkeit bei den Österreichern.“ Was diese offenkundig am meisten störe, seien nicht etwa reformbedürftige Zustände – diese werden von den Bürgern nicht als solche erkannt –, sondern der Stil der politischen Auseinandersetzung. Das bedeute: „Der Wunsch nach Ruhe und dem Bewahren gewohnter Verhältnisse besitzt im öffentlichen Bewusstsein einen höheren Stellenwert als das Verlangen nach Veränderungen und Anpassungen an den immer härter werdenden internationalen Wettbewerb.“ Die Hauptsorge der Österreicher gelte bezeichnenderweise der Sicherung der Pensionen. „Die Frage drängt sich also auf, wie viel an politischer Offensivkraft in dieser Gesellschaft überhaupt aktivierbar ist“, so Kirschhofer.

„DIE PRESSE“-EXKLUSIV

Vierteljährlich erhebt das Linzer Meinungsforschungsinstitut IMAS im Auftrag der „Presse“ den Zufriedenheits-Stand der Österreicher. 1000 Bürger werden in face-to-face-Interviews befragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.01.2008)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.