Das Problem ist: Die meisten Männer glauben noch ans Christkind.
Ich bin spät dran. Weihnachten ist längst vorbei. Aber ich muss sagen, ich habe zwei gute Ausreden, warum ich am 8.Jänner noch einmal damit anfange. Erstens: Die Sternsinger! Sie lassen mich Jahr für Jahr bis weit in den Februar hinein im Glauben, die Heiligen Drei Könige stünden noch bevor. Weil sie nämlich nie den Weg zu uns in den 3. Stock finden. Da sind die biblischen Boten nicht besser als die Postboten. Das war Ausrede Nummer eins.
Nummer zwei: Ich habe Ihnen versprochen zu erklären, warum ich mir in der letzten Kolumne diese spitze Bemerkung gegen meinen Mann nicht verkneifen konnte. Und Versprechen (sage ich immer den Kindern) muss man halten. Auch wenn der andere vielleicht längst vergessen hat, was ihm da versprochen worden ist.
Außerdem ist die Erklärung ganz einfach. Das Problem mit Männern im allgemeinen und meinem Mann im besonderen ist schlicht, dass sie noch ans Christkind glauben. Und nicht nur das! Sie glauben, dass der Nikolaus die Stiefel füllt. Dass die Engerln Adventkränze winden. Dass das Christkind sich für uns ins Getümmel des Gerngross wirft. Und der Baum wird – weil die anderen da schon schlapp gemacht haben – vom Weihnachtsmann mit Strohsternen, Kerzen und Lametta aufgeputzt und ins Wohnzimmer gestellt.
Halleluja!
Jetzt ist es ja nicht so, dass ich meinen Mann nicht aufgeklärt hätte. Alle Jahre wieder setze ich ihm auseinander, dass es die Erwachsenen sind, die all diese heiligen Pflichten übernehmen – und da wir beide erwachsen sind, sollten wir sie uns teilen. Was mein Mann auch einsieht. Bis zum nächsten Jahr. Da gibt er sich wieder seinem Kinderglauben hin.
Diesmal hat es mir gereicht. „Dann kriegt deine Mutter eben heuer keine Vanillekipferln!“, habe ich einigermaßen dramatisch gerufen. „Aber die kriegt sie doch jedes Jahr!“ – „Heuer eben nicht!“ – „Und was kriegt sie dann?“ – „Bastle selber was mit den Kindern!“ Was soll ich sagen: Dahin war er, der Weihnachtsfriede. Den restlichen Advent habe ich damit zugebracht, die Vanillekipferln zu bewachen wie der Vogel Schnibberli den Piratenschatz. Und das, wo ich meine Schwiegermutter wirklich mag!
Und das ist die 3. Ausrede: Ich brauche diese Kolumne. Nächsten Advent hänge ich sie bei uns aufs Klo.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)