Bezirksvorsteherin Stenzel stellt in einem Infofolder ein Gesamtkonzept für den Problembereich Rudolfsplatz vor.
WIEN. Die Innere Stadt hat nun einen Freizeitbogen. Was die Anwohner des Rudolfsviertels darunter verstehen sollen, erklärt Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel in einem bunten Folder mit ebenso bunten Teddybären, der seit gestern, Montag, rund um den Rudolfsplatz verteilt wird: Der Bogen umfasst den Bereich zwischen Hermann-Gmeiner-Park hinter der Börse, den Rudolfspark und das Areal neben der U2-Station „Schottentor“ am Franz-Josefs-Kai.
„Mehr Erholung, mehr Grün, mehr Sicherheit, mehr Vergnügen“, verspricht Stenzel für diesen Bereich. Der aktuelle Anlass für die Kampagne ist allerdings zunächst ein banaler: am Rudolfsplatz werden demnächst kranke und morsche Bäume gefällt und die Bewohner sollen auf diese Maßnahme vorbereitet werden.
Die weitere Umgestaltung des Parks muss allerdings noch etwas auf sich warten lassen – bis Juni 2008 läuft die Planung. Zwischen Juli und Oktober 2008 soll das Projekt ausgeschrieben und vergeben werden, bis Juni 2009 soll der Platz umgebaut sein.
Damit, so hofft die Bezirksvorsteherin, soll der Park ein Erholungsgebiet werden, das vor allem die Jüngsten – im Park ist auch ein Montessori-Kindergarten untergebracht – wie auch Ältere ansprechen soll. Als Ruhe- und Erholungszone, wie es in der Bezirksvorstehung heißt. In den vergangenen Jahren war der Park vor allem als Treffpunkt betrunkener Jugendlicher in Verruf und in die Schlagzeilen geraten. Eine bei einer Anrainerbefragung mehrheitlich geforderte Nachtsperre des Parks ist noch nicht beschlossen, doch sei dies ein „klarer Wunsch der Bewohner, den der Bezirk umzusetzen trachtet“, heißt es aus Stenzels Büro.
Neben dem Rudolfspark als Herzstück werden auch am Franz-Josefs-Kai einige Maßnahmen gesetzt – hier soll vor allem die Bewegung im Mittelpunkt stehen. So wird die Hundezone um rund 360 m2 erweitert, eine Wasserstelle für die Tiere soll eingerichtet und Sitzbänke für die Hundehalter sollen aufgestellt werden.
Und schließlich soll die Hundezone von der benachbarten Busspur mit Parkmöglichkeiten für Reisebusse durch einen Grüngürtel getrennt werden. In weiterer Folge ist geplant, dass Ballspielplätze eingerichtet werden, wo jetzt noch an der U-Bahn-Station gearbeitet wird. Der Hermann-Gmeiner-Park wiederum soll laut Stenzels Konzept vor allem Treffpunkt für Kinder und Jugendliche sein. Hier gibt es auch schon seit längerem eine Parkbetreuung.
„Freizeitbogen ist Marketinggag“
Wenig begeistert von Stenzels Folder zeigt man sich in der Bezirks-SPÖ: „Das ist alles nichts Neues“, sagt Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Daniela Stepp. Den Begriff des Freizeitbogens sieht sie als einen Marketinggag: „Darum hat Stenzel kürzlich auch ihr Werbebudget verdoppelt“, meint sie. Noch dazu verkaufe die Bezirksvorsteherin die Erfolge anderer für sich, denn dass die Hundezone am Franz-Josefs-Kai erweitert wird, sei auf Antrag der SPÖ erfolgt, so wie auch Wasserstelle und Sitzbänke.
In der Bezirksvorstehung zeigt man sich über das Anlaufen der Aktion erfreut. Die erste Auflage der Folder von 2000 Stück gehe gut weg, bald soll nachgedruckt werden – bis jeder Anrainer weiß, was ein Freizeitbogen ist.
AUF EINEN BLICK
Der Rudolfsplatz in der Inneren Stadt wurde in den vergangenen Jahren nachts vor allem von betrunkenen Jugendlichen besucht. Bei einer Anrainer-Befragung sprach sich eine Mehrheit für eine Nachtsperre aus. Ob sie kommt, ist unklar.
Umbau: Derzeit laufen Pläne für eine Umgestaltung des Platzes, bis Juni 2009 sollen die Maßnahmen abgeschlossen sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)