Rallye Dakar: Geld und Image in den Sand gesetzt

GEPA
  • Drucken

Mit der erstmaligen Absage der Wüstenrallye ist ein anderes Rennen eröffnet: Jenes um Entschädigungen.

LISSABON. Eine Reisewarnung der französischen Regierung für Mauretanien hatte den Ausschlag dafür gegeben, die Rallye Dakar noch vor ihrem Start abzusagen. Zum ersten Mal und ausgerechnet bei der 30. Auflage. Die Sicherheit des Trosses habe Vorrang, hatte es Rennleiter Etienne Lavigne auf den Punkt gebracht. Eine Einschätzung, die auch Johann Trunkenpolz, Racing Manager von Motorradhersteller KTM, teilt. Die Entscheidung sei zu akzeptieren, „weil wenn etwas passiert, steigt jede Versicherung aus“. Aber auch gegen die Absage sei sein Team nicht versichert. Und der Schaden ist beträchtlich. „Ich rechne mit 500.000 bis einer Million Euro“, sagt Trunkenpolz. Ein harter Brocken.

Millionen-Schäden

Größer ist der Schaden für die PKW-Hersteller. „Bei den Motorrädern gibt es außer bei der individuell angepassten Federung kaum Unterschiede zwischen Werksmaschinen und jenen, die Privatfahrer im Handel kaufen“, erklärt Trunkenpolz. Immerhin hatten 65 Prozent der 220 Biker, die für die 30. Rallye Dakar genannt hatten, auf Material aus Mattighofen gesetzt. Der zusätzliche Aufwand sei für KTM überschaubar gewesen. Die PKW-Hersteller würden hingegen durchwegs Prototypen ins Rennen schicken, die Kosten für deren Entwicklung seien deutlich höher.

Wie Mitsubishi, VW oder BMW prüfe man nun rechtliche Schritte, sagte Trunkenpolz, um den Schaden zu minimieren. Auch andere wollen Ersatz. Die portugiesische Hafenstadt Portimão, von der aus der Tross nach Afrika übersetzen hätte sollen, kündigte eine 1,5-Mio.-Euro-Schadenersatzklage gegen Veranstalter ASO an, um Investitionen erstattet zu bekommen. Auch der TV-Sender „Eurosport“ rechnet mit einem Schaden von 1,5 Millionen Euro, durch den Entfall von Sponsorgeldern. Zudem entfallen Inhalte für hunderte Sendeminuten.

Schwer getroffen sind vor allem die Privatteams. Der Österreicher Raffael Sperrer etwa, der sich mit einem 300.000-Euro-Budget zum dritten Mal in die Wüste wagen wollte, meinte bei einem von Sponsor „Henkel“ in Lissabon arrangierten Treffen, „für mich persönlich ist es eine Katastrophe“.

Afrikas Image gesunken

Für die Marke „Dakar“ allerdings kann er trotz der Absage und der Kapitulation vor dem internationalen Terrorismus einen Imagegewinn sehen. „Der Bekanntheitsgrad wird weiter steigen. Denn wofür steht diese Rallye? Für Abenteuer, Wettkampf und für Tod.“ Und genau diese Schlagwörter würden nun verstärkt Aufmerksamkeit erhalten.

Dass die Rallye Dakar mit der Absage tot sei, wies Veranstalter ASO zurück. Über Alternativen jedenfalls wurde heftig spekuliert, denn das Image Afrikas als Gastgeber für Sportevents ist drastisch gesunken. Südamerika wird ebenso als möglicher Ersatz-Austragungsort gesehen, wie eine Route zwischen Moskau und Peking. Egal wohin das Ausweichmanöver führt, dem Terror wird auf diese Weise nicht die Stirn geboten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.