Wenn schon 19 Krankenkassen, dann sollen sie Konkurrenz spielen.
Das neue Jahr beginnt, wie das alte geendet hat: Die Zertifikateure der Meinl European Land hören per Ad-hoc-Meldung weiter regelmäßig „schmecks“, die Agrar-Bürokraten haben schon wieder ein weites Feld zum Handaufhalten gefunden (diesmal beim Biogas) und die Krankenkassen sind so gut wie pleite.
Letzteres ist wirklich seltsam: Im strukturell nicht so unterschiedlichen Deutschland hat die gute Konjunktur nämlich dazu geführt, dass die Kassen überlegen, ob sie die Überschüsse – ja, Überschüsse – besser in Leistungsverbesserungen oder Beitragssenkungen investieren sollen.
In Österreich hat der (in diesem Punkt freilich traditionell phantasielose) Ärztekammerpräsident gerade wieder eine Erhöhung der Krankenkassenbeiträge gefordert. Die letzte Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge (um 0,15 Prozentpunkte) ist übrigens gerade acht Tage alt. Mitgetragen von der Wirtschaftskammer, deren Repräsentanten sonst gerne und ausführlich über zu hohe Lohnnebenkosten jeiern. Das aber nur nebenbei.
Was also tun? Sparen, das sehen wir ein, ist trotz eines von Wirtschaftsforschern erkannten Einsparpotenzials von läppischen zwei bis drei Mrd. Euro nicht möglich. Das würde ja beispielsweise bedeuten, dass Spitalsärzte ihren niedergelassenen Kollegen zutrauen, brauchbare Röntgenbilder zu machen oder dass die Krankenkassen Spitalsärzte für fähig halten, Rezepte auszustellen, die nicht vom Hausarzt kostenpflichtig umgeschrieben werden müssen.
Krankenkassen aus Synergiegründen zusammen zu legen geht auch nicht: Ein Riesenland mit immerhin der halben Einwohnerzahl Bayerns braucht einfach 19 Krankenkassen und fünf Pensionsversicherungsanstalten. Sonst wär's ja Gleichmacherei.
Wenn wir die 19 Kassen aber brauchen – wieso lassen wir dann die Versicherten nicht einfach ihre Kasse wählen? Man nennt das in der Privatwirtschaft „Konkurrenz“ und es führt normalerweise dazu, dass die Kosten sinken und die Leistungen steigen. Die Bittners dieses Landes müssten sich dann automatisch mehr um die Leistungs- und Kostenseite kümmern – damit ihnen nicht die Kunden davon laufen.
Wäre doch was, oder? Jedenfalls besser, als schon wieder Steuerzahlergeld in ein Fass ohne Boden zu schütten.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)