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„Dracula“ finanziell ausgesaugt

APA
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Die steirische Kulturszene in Geldnöten: Ein Musicalfestival als Konkursfall und Förderturbulenzen für „styriarte“.

GRAZ. 14.000 Besucher und eine Auslastung von 95 Prozent waren zu wenig: Die Kulturbetriebsgesellschaft, die im vergangenen August eine Musical-Produktion von „Dracula“ mit Stars wie Uwe Kröger, Caroline Vasicek und Thomas Borchert auf den Grazer Schlossberg brachte, hat Konkurs angemeldet. Auf 124.000 Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten.

Trotz Förderungen durch das Grazer Kulturamt (100.000 Euro) und Tourismus-Ressort des Landes (50.000 €), beides in Ressortverantwortung der ÖVP. SP-Kulturlandesrat Kurt Flecker hatte entsprechende Förderansuchen vor einem Jahr abgelehnt, für 2008 habe es bisher nur ein „konstruktives Gespräch“ mit Intendantin Brigitta Thelen gegeben.

Während die Grazer KPÖ und die Grünen jetzt über eine verfehlte Förderpolitik der Stadt wettern, verteidigt Kulturstadtrat Werner Miedl (VP) im Gespräch mit der „Presse“ die Festivalidee. Durch den politischen Streit im Vorfeld seien Sponsoren verschreckt worden und abgesprungen. Unter Umständen sei auch das Fassungsvermögen auf der Kasemattenbühne für eine qualitativ derart hochwertige Produktion zu gering.

Miedl will am zumindest auf drei Jahre durchkonzipierten Festival jedenfalls festhalten. „Wenn wir das als Stadt wirklich wollen, müssen wir eben tiefer in die Kassa greifen“, sagt er. Wie tief? „Insgesamt 250.000 Euro von Stadt und Land sind zu rechtfertigen“, findet Miedl. Vor einem Jahr hatte er noch versichert, es bleibe seitens der Stadt bei den 100.000 Euro. Intendantin Thelen hatte damals schon über politische Querschüsse geklagt.


Opfer von Parteienstreit

„Das ist alles ein bisserl kompliziert“, findet auch Mathis Huber. Als Intendant des steirischen Musikfestivals „styriarte“ ist er in Sachen Budgeterstellung Kummer gewohnt. „Wir kämpfen Jahr für Jahr“, sagt er. Eine für Sommer 2008 geplante Mozart-Spezialproduktion von Star-Dirigent Nikolaus Harnoncourt geriet zuletzt aber auch noch in den laufenden Gemeinderatswahlkampf.

Es geht um Mozarts Oper „Idomeneo“, die Harnoncourt inszenieren und dirigieren wird. Fast die Hälfte des „styriarte“-Budgets 2008 von 4,1 Millionen Euro ist dafür verplant. Bereits im Februar 2005 einigten sich Land Steiermark und Stadt Graz über eine Sonderfinanzierung in der Höhe von insgesamt 960.000 Euro.

560.000 davon kommen vom Land, 400.000 von der Stadt Graz. Das Land hat bereits eine von vier Raten – 140.000 Euro – überwiesen, eine zweite liegt bereit. Diese soll freilich erst fließen, wenn auch die steirische Landeshauptstadt zahlt.

Im Grazer Rathaus will man aber erst nach der Gemeinderatswahl am 20. Jänner darüber diskutieren. Bislang liegt „styriarte“-Chef Huber zwar eine Zusage vor, ausbezahlt wurde aber noch nichts. Für Kulturstadtrat Miedl (VP) ist klar, dass die zwei Raten über je 200.000 Euro nicht aus dem Kulturbudget, sondern über eine Sonderfinanzierung bereitgestellt werden. Dagegen legte sich zuletzt allerdings SP-Finanzstadtrat Wolfgang Riedler quer.

Zwar haben sich im Hintergrund die Spitzen von ÖVP und SPÖ auf eine positive Erledigung nach der Wahl geeinigt. „Ich gehe auch davon aus, dass sich das so ereignet“, sagt „styriarte“-Intendant Huber zur „Presse“. „Aber es gäbe zweifelsfrei solidere Fundamente“, sagt er. Huber setzt auf routinierte Gelassenheit: „Ich nehme diesen Wahnsinn einfach nicht zur Kenntnis.“ Qualität und Umfang der „Idomeneo“-Produktion seien jedenfalls nicht in Gefahr. „Das Ding ist so stark, dass es alle überrollt, die sich ihm in den Weg stellen wollen“, ist Huber überzeugt. Das hatte auch Kulturlandesrat Flecker bemerken müssen. Kurz nach seinem Amtsantritt vor zwei Jahren hatte er Sonderförderungen für „styriarte“-Projekte noch eine Absage erteilt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)