Eine Firma der News Corp. übernimmt knapp 15% an Premiere. Eine Komplett-Übernahme ist nicht ausgeschlossen.
Medienmogul Rupert Murdoch ist neuer Großaktionär des Bezahl-Senders Premiere. Ein zu Murdochs News Corp. zählendes Unternehmen hat 14,58 Prozent der Anteile vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia gekauft – 17,50 Euro je Aktie hat das Unternehmen gezahlt – in bar. Insgesamt waren es 287 Millionen Euro. Unitymedia hatte seine Anteile erst im Februar 2007 erworben – im Rahmen einer Kooperation bei der Übertragung der Fußball-Bundesliga. Damit ist der Medienzar der größte Aktionär des Senders, der in Deutschland 4,17 Millionen, in Österreich 330.000 Abonnenten hat. Der Markt reagierte erfreut: Der Kurswert der Premiere-Aktie schnellte nach Bekanntwerden des Deals um bis zu 26 Prozent in die Höhe. Bereits seit längerem war erwartet worden, dass Unitymedia seine Anteile verkauft. 85,42 Prozent von Premiere sind weiterhin in Streubesitz.
Brancheninsider rechnen damit, dass Murdoch – der schon früher über die BSkyB-Beteiligung am Kirch-Konzern indirekt an Premiere beteiligt war – sich nicht mit einem so kleinen Anteil an dem Sender begnügen wird, sondern plant, den Anteil weiter auszubauen oder sogar alle Aktien zu übernehmen. Mit einem Beteiligungspaket unter 15% kann Murdoch nicht viel anfangen – auch dass Murdoch mehr als erwartet pro Aktie bezahlt hat, wird als Indiz dafür gewertet. „Das ist eine gute Nachricht für die Aktie. Das sieht nach einer Übernahme aus“, meinte dazu ein Börsenhändler in Frankfurt. Im Falle einer Komplettübernahme rechnen Marktteilnehmer mit einem Übernahmepreis von 16 Euro je Aktie.
Murdoch wollte „Bild“ konkurrieren
Schon mehrfach hat Murdoch versucht, am interessanten Medienmarkt Deutschland Fuß zu fassen: Anfang der Neunziger im Printgeschäft, da war der gebürtige Australier Partner des Burda-Verlages, als der versuchte, im Osten Deutschlands eine Alternative zur „Bild“-Zeitung zu etablieren. „Super“ sollte die heißen, so lief sie aber nicht.
Murdoch konzentrierte sich in Deutschland folglich aufs TV-Geschäft. 1994 beteiligte er sich an Vox, der andere Hälfte-Eigentümer Bertelsmann verhinderte aber gemeinsame Strategien. Ab 1998 kam eine Mehrheitsbeteiligung an tm3 hinzu, Murdoch schnappte sich sogar die Rechte für die Fußball-Champions-League (gemeinsam mit dem heutigen ATV-Mehrheitseigentümer Herbert Kloiber), scheiterte aber. Und musste die TV-Rechte geknickt an RTL weiterverkaufen. Die nächste Pleite nahm 1999 ihren Anfang: Da übernahm das von ihm kontrollierte britische BSkyB etwa ein Fünftel an Leo Kirchs Pay-TV Premiere World. Wieder konnte Murdoch als bloßer Teilhaber keinen Einfluss auf das Schicksal nehmen – Kirchs TV ging 2002 Pleite.
Insgesamt umfasst Murdochs Netzwerk News Corp. heute Medienunternehmen in aller Welt. Dazu zählen etwa das Twentieth Century Fox Filmstudio, die in den USA, Australien und Südamerika populären und populistischen TV-Kanäle von Fox Broadcasting, das britische Sat-TV BSkyB, sowie Stationen in China, Indien und Japan. Auch im Printmarkt ist er aktiv (etwa in Großbritannien mit „Times“ und „Sun“). Zuletzt sorgte die News Corp. mit dem Erwerb des amerikanischen Dow-Jones-Verlages um fünf Milliarden Dollar für Aufsehen. Dieser gibt das weltweit anerkannte „Wall Street Journal“ heraus. Was Murdoch damit vorhat, ist noch ungewiss – die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete neulich, dass intern „sogar darüber diskutiert worden ist, den Bestandteil ,Wall Street‘ aus dem Zeitungstitel zu tilgen, um das Journal für ein breitere Leserschaft attraktiver zu machen“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.01.2008)