Nicolas Sarkozys geföhnte Söhne haben viel von ihrem Vater gelernt: Sie tun, was ihnen Spaß macht. Pierre ist Teilzeit-Hip-Hopper, Jean spielt statt Theater lieber ein bisschen Politik.
Bei blonden Locken hat man bis jetzt eher nicht an Hip-Hop gedacht. Aber bis vor kurzem hat man beim französischen Staatsoberhaupt ja auch nicht automatisch an ein singendes Supermodel gedacht. Mit den Sarkozys ist das jetzt eben ein wenig anders.
Während nämlich der 52-jährige Nicolas Hand in Hand mit seiner Vielleicht-schon-bald-Ehefrau Carla Bruni den Norden Afrikas und Vorderasien bereiste und sich dabei immer unbeliebter bei seinen Wählern macht (siehe Analyse Seite 5), gewinnen seine erwachsenen Söhne aus erster Ehe die Herzen der Franzosen im Sturm. Die Brüder Pierre (22) und Jean (20) nennt man in Pariser Klatschblättern bereits „die Prinzen William und Harry von Frankreich“ oder schlicht „The Golden Boys“. An die Farbe Gold muss man unweigerlich denken, wenn man die Fön-Frisuren der blonden Brüder betrachtet, die sie sich von einem engen Freund ihres Vaters, dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler und Schauspieler David Ginola, abgeschaut haben dürften. Aber was haben blond-goldene Fußballer-Locken mit Hip-Hop zu tun?
Einiges. Denn mit Hip-Hop-Beatsverdient sich der bis jetzt eher zurückhaltende Pierre Sarkozy sein Taschengeld. Und der Präsidenten-Sohn, der wie der Vater (und der kleine Bruder) Jus studiert, soll zudem kein Unbekannter in der Pariser Rap-Szene sein. Behauptet zumindest der französische Rapper „Poison“. Der erzählte nämlich im Studio des Pariser Hip-Hop-Radiosenders „Generations 88.2“ von seinem neuen Album „Mec de Tess“ (Stadtmensch) – und verriet, dass das Lied „La Rue“ (die Straße) von Sarkozy junior unter dem Pseudonym „Mosey“ komponiert worden sei. „Ich kenne Pierre schon seit fünf Jahren“, meinte Poison.
In der „Times“ will man Pierres Abstecher in die musikalische Sub-Kultur der Pariser Banlieues sogar als direkten Angriff gegen seinen Vater deuten. Poison sei nämlich einer der aggressivsten Minnesänger aus der Pariser Vorstadt, und einer, der gerne die Wut auf Sarkozy unter seinesgleichen schürt. Auch als dieser noch französischer Innenminister war. Schwer zu glauben, dass der blondgelockte Sohn aus gutem Hause seinem Vater in den Rücken fallen will. Wo er seinen Vater doch sogar bei der Weihnachtsreise nach Ägypten begleitete. Und auch sonst noch nie negativ aufgefallen ist. Was man von seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Jean nicht behaupten kann.
Der hatte bis vor kurzem eher mit Verkehrsdelikten und Gerichtsterminen auf sich aufmerksam gemacht. Im September rammte der 20-jährige mit seinem Motorroller einen BMW, beging Fahrerflucht und musste sich dann vor Gericht verantworten. Und rund 4000 Euro Strafe zahlen. In jüngster Zeit kursierte allerdings das Gerücht, der Jus-Student, der sporadisch Schauspiel-Stunden nimmt, würde in einer Theaterproduktion mit der Tochter des skandalumwitterten Geschäftsmannes und Ex-Minister Bernard Tapie auf der Bühne stehen.
Tatsächlich richtig ist hingegen, dass Jean nun offenbar in die Fußstapfen seines Vaters tritt. Er arbeitet seit kurzem für den Noch-Regierungssprecher David Martinon, der sich für das Bürgermeister-Amt des Pariser Nobel-Vorortes Neuilly-Sur-Seine bewirbt. Mit dieser Stadt ist Jean Sarkozy sehr eng verbunden. Er und sein Bruder sind dort aufgewachsen – und auch dort geblieben, nachdem sich der Vater von ihrer Mutter, der Korsin Marie-Dominique Culioli, scheiden ließ. Nicolas Sarkozy war zudem fast zwanzig Jahre Stadt-Vater von Neuilly.
PROMINENTE SÖHNE
Pierre (*1985) und Jean (*87) Sarkozy sind Nicolas Sarkozys Söhne aus seiner ersten Ehe mit Marie-Dominique Culioli.
Die beiden studieren Jus in Paris. Pierre produziert nebenbei Hip-Hop. Jean folgt seinem Vater in die Politik nach. Er arbeitet für den Regierungssprecher David Martinon, der für das Amt des Bürgermeisters in Neuilly kandidiert. Sarkozys dritter Sohn Louis (*1997) stammt aus seiner zweiten Ehe mit Cécilia Albeniz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2008)