Die Ereignisse um BAWAG, AMIS oder Hypo Alpe Adria seien "Einzelfälle", die vom Internationalen Währungsfonds bei Durchleuchtung des heimischen Finanzsektors auch so bewertet werden müssten, meint der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Klaus Liebscher. Das gesamtwirtschaftliche Umfeld sei derzeit insgesamt "schwierig".
In Summe hätten die Ereignisse dem Finanzplatz Österreich aber geschadet, "das ist unbestritten", sagte Liebscher am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal". Er warnte allerdings vor einer "Dramatisierung". Wichtigstes Ziel sei derzeit die Erhaltung der Kaufkraft. Angesichts einer Inflationsentwicklung in Richtung drei Prozent sei hier "Vorsicht angebracht". Noch sei genug Zeit, eine drohende "Lohn-Preis-Spirale" einzudämmen, wenn alle Akteure eine maßvolle Entwicklung im Auge hätten.
Das Wort "Krise" lehnt Liebscher zur Beschreibung der Situation an den internationalen Finanzmärkten ab, er spricht von "Turbulenzen". Ein Mitversursacher dafür sei die "Jagd nach Renditen" gewesen. Bei manchen Akteuren habe es auch am nötigen Risikobewusstsein gemangelt. Eine Lösung sieht Liebscher in verstärkten Regeln samt höherer Transparenz und strengeren Meldebestimmungen. Er geht davon aus, dass "uns diese schwierige Lage noch mehrere Monate lang begleitet".
Die am Donnerstag vom Parlament verabschiedete Reform der Finanzmarktaufsicht FMA begrüßte Liebscher in der "ZiB2". Es handle sich um eine "sehr ordentliche" Reform mit einer klaren Trennung der einzelnen Aufgabenbereiche. Die OeNB übernehme damit jetzt "wesentlich mehr Verantwortung" als in der Vergangenheit, so Liebscher. Zentrale Aufgabe sei die Begrenzung des Risikos und die Überprüfung, dass die gesetzlichen Vorschriften zur Risikoerfassung und -minimierung eingehalten werden.
(APA)