Klaus Liebscher, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB), ist besorgt über die hohen Preissteigerungsraten in Österreich und der Eurozone. Die jüngsten österreichischen Inflationszahlen für Oktober - 2,8 Prozent nach nationaler Berechnung - erfüllten ihn mit Besorgnis, sagte Liebscher am Dienstag in Wien.
Liebscher appelliert an Arbeitnehmer, Wirtschaft und Öffentliche Hand, eine moderate Politik an den Tag zu legen, damit Österreich seine Chancen im internationalen Wettbewerb behält und nicht gefährdet. Österreich sei seit Beginn der Währungsunion mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 1,8 Prozent nach Finnland und Deutschland immer im Spitzenfeld der Euro-Länder mit den niedrigsten Inflationsraten vertreten gewesen. "Mit diesem Anstieg im Oktober liegen wir an achter Stelle und nicht mehr an dritter Stelle", so Liebscher. Österreich liege 0,3 Prozentpunkte über dem Euroraum-Durchschnitt. Das sei ein relativ neues Ergebnis.
In vielen Bereichen, zum Beispiel bei den Nahrungsmitteln, seien die Preise in Österreich wesentlich deutlicher gestiegen als im Euroraum, auch beim Anstieg der Energiepreise liege Österreich etwas höher. "Es ist wichtig, dass wir jetzt auf alle Fälle unsere Wettbewerbsposition halten müssen", betonte der Gouverneur. Österreich habe sich seit Beginn der Währungsunion durch eine moderate Lohnpolitik und Preisentwicklung ausgezeichnet und dadurch seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit verbessern können. Das sei auch ein Grund für das kräftige Wirtschaftswachstum gewesen. Damit es auch in Zukunft so bleibt, müsse die Preis- und Kostenentwicklung in Österreich weiterhin auf Stabilität ausgerichtet sein.
(APA)