Anzeige gegen Glücksspielkonzern Novomatic

Die Stadt Wien hat den Glückspielkonzern Novomatic wegen illegalen Glückspiels bei der Staatsanwaltschaft Wien angezeigt. Das berichtet die Stadtzeitung Falter. Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) und die für das Veranstaltungwesen zuständige Magistratsabteilung 36 hegen demnach Bedenken, ob die in Wien aufgestellten Novomatic-Automaten wirklich dem Glückspielgesetz entsprechen.

Das Gesetz sieht beim sogenannten "kleinen Glücksspiel" vor, dass pro Spiel nur 50 Cent Einsatz und 20 Euro Gewinn vorgesehen sind. Doch diese Bestimmungen würden umgangen. "Ich habe mir die Wiener Wettcafes angeschaut", so Sima: "Ich bin überrascht, wie viele junge Leute und auch Hausfrauen an den Automaten ihr Geld verspielen." Vor allem die kleinen Wettcafes stören Sima: "Dort lässt sich der Jugendschutz nicht kontrollieren."

Der Falter beruft sich auch auf laufende Ermittlungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich gegen Novomatic. Demnach soll das Unternehmen "offensichtlich massives Lobbying betrieben" haben. Ein Bezirksinspektor habe festgehalten, dass im Umfeld der Novomatic "Sachverständige durch das Anbieten von gut honorierten Beraterverträgen für objektive Ermittlungen nicht mehr herangezogen werden können". Zeugen, so ein Aktenvermerk, würden durch Klagen eingeschüchtert.

In einem Aktenvermerk, der dem Falter nach eigenen Angaben vorliegt, hält das Landeskriminalamt die Aussagen ehemaliger Novomatic-Mitarbeiter fest, die unter der Wahrung ihrer Anonymität angeben, es seien hochrangige Wiener Polizisten auf "Champagner und Prostituierte" eingeladen und Automaten fürs Finanzamt frisiert worden. Novomatic weist diese Vorwürfe vehement als "absurd" zurück.

Die Sensibilität gegenüber der Spielsucht nimmt in Österreichs Bevölkerung zu, geht aus einer aktuellen Umfrage im Auftrag der Casinos Austria hervor. 82 Prozent der Befragten halten das Problem für unterschätzt. Vor allem Glücksspielautomaten gelten bei der Mehrheit der Österreicher (84 Prozent) als Spielsucht-Gefahrenherd Nummer eins.

(APA)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.