Die Arbeitslosenrate sei angestiegen, die Furcht vor Arbeitslosigkeit beeinflusse das Konsumverhalten der US-Bürger am stärksten, sagt IHS-Chef Bernhard Felderer.
Es war die letzte Veranstaltung der Zukunfts- und Kulturwerkstatt der SPÖ: Das Thema lautete "Finanzmarktkrisen - Therapie und Prävention". Ex-SP-Finanzminister meinte in seinen einleitenden Bemerkungen im Saal der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB): "Die Sozialdemokratische Partei ist wohl so fest in der Gegenwart verankert, dass sie ohne Zukunft und Kultur zurecht kommt". Er erntete dafür Applaus und Lacher der über 300 Zuhörer.
"Krise greift auf Realwirtschaft über"
Inzwischen sei klar, dass die Krise in den USA auf die Realwirtschaft übergreife, führte IHS-Chef Bernhard Felderer aus. Die Arbeitslosenrate sei angestiegen, und die Furcht vor Arbeitslosigkeit beeinflusse das Konsumverhalten der US-Bürger am stärksten. Das Wirtschaftswachstum in den USA werde deutlich schwächer werden, man könne daran zweifeln, ob heuer eine Zwei vor dem Komma stehen wird.
In Europa gebe es dagegen kaum Nachrichten, dass sich realwirtschaftlich etwas verändere. Banken berichten nur davon, dass einige größere Investitionen nicht durchgeführt worden seien. Das Misstrauen zwischen den Banken und die Angst vor Leichen im Keller sei groß.
Parallelen mit Weltwirtschaftskrise
Peter Mooslechner, Direktor der Hauptabteilung Volkswirtschaft der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) sieht Parallelen mit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts: damals sei es darum gegangen, kreditfinanzierte Aktienspekulationen einzudämmen.
Heute müsste die Kreditfinanzierung von Nichtbanken ähnlich wie jene von Banken reguliert werden. Ein Sonderpunkt sei, dass viele der Probleme mit dem hohen Grad der Fremdfinanzierung zusammenhängen.
"Brauchen mehr Risikopuffer"
Hans-Helmut Kotz, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, kritisierte, dass die in Schwierigkeiten geratenen Banken unter der eigentlichen Bank "Quasibanken" angesiedelt hätten. Allerdings habe diesen Quasibanken die Eigenkapitalunterlegung gefehlt. Kotz merkte an, dass durch Basel II der Eigenkapital-Risikopuffer noch weiter reduziert worden sei. Er fordert aber: "Wir brauchen mehr Risikopuffer, um die Risiken abzufangen, das heißt, mehr Eigenkapitalunterlegung".
Auch IHS-Chef Felderer geht davon aus, dass es in Zukunft mehr Eigenkapitalunterlegung bei der Kreditvergabe geben wird müssen. Das werde zwar nicht den Geschmack der "Hedger" finden, müsse aber Teil der Institutionenreform werden. Aber auch mit geänderten regulatorischen Maßnahmen würden weitere spekulative Blasen in Zukunft nicht vermieden werden können, glaubt Felderer.
Die zur Entlastung des Eigenkapitals gedachten modernen Finanzierungsinstrumente wie Asset Backed Securities (ABS) hätten eigentlich der Eigenkapitalentlastung der Banken dienen sollen. Dadurch, dass sie mit Krediten bzw. Garantien finanziert worden seien, hätten sie - als die Garantien schlagend wurden - jedoch wieder das Eigenkapital belastet, erläuterte Mooslechner.
Deutsche Banker nicht "zu dumm"
Dass gerade viele deutsche Banken von der Krise schwer betroffen wurden, habe nichts damit zu tun, dass die deutschen Banker "zu dumm" seien, sondern damit, wie sie Risikomodelle benutzten, so Kotz. Mit den Modellen hätten - bis zu ihrem Wegfall - hohe Eigenkapitalverzinsungen produziert werden können.
Finanzierungsinstrumente wie die Asset Backed Securities, mit denen Forderungen zusammengepackt und weiterverkauft werden konnten, seien für die Finanzkrise mitverantwortlich, so Felderer. Das Problem dabei: Es wurden viele faule Kredite hineinverarbeitet. Dieses neue Finanzierungsinstrument sei nicht kontrolliert gewesen, die Aufsichtsbehörden hätten es nicht richtig bewerten können. ABS-Varianten werde es aber weiterhin geben, aber in anderer Form.
"Alle müssen dafür bezahlen"
"Alle müssen dafür bezahlen, nicht nur die Sparer", so Felderer auf die Frage aus dem Publikum, wer für die Verluste aufkommen wird müssen. Die "geschickten Amerikaner" hätten diese Produkte auch an uns verkauft, der größte Teil dürfte aber in den USA liegen. (Ag./phu)