SALZBURG. Banks Violette zeigt in der Galerie Ropac die dunkle Seite der US-Macht.
Für Salzburg war Banks Violette ein Kulturschock. Und umgekehrt. Nicht nur, dass der New Yorker Shootingstar, dem aus dem weit geöffneten Hemd ein Spinnennetz-Tattoo über den Hals wuchert, allein durch einen kurzen Auftritt vor der Tür der Galerie Ropac für besorgte Anrufe sorgte, wie Galerie-Leiter Arne Ehmann erzählt. Auch die Ausstellung selbst stieß während der gut frequentierten Feiertage auf Unverständnis: „Ach, Sie bauen noch auf?“ war die Frage, die Mitarbeiter selbst in coolster Atmosphäre zur Weißglut bringen konnte.
Schließlich hatte man zwei lange Wochen aufgebaut, den Inhalt von ganzen drei Frachtcontainern. Was sogar an dieser auch sonst nicht gerade für unaufwendige Schauen bekannten Adresse am Mirabellplatz für einen neuen Rekord sorgte. Der harte Lohn für vier Jahre Überredungskunst. So lange nämlich war Ehmann Violette, den er über Ropac-Künstlerin Lisa Ruyter kannte, in den Ohren gelegen, eine Ausstellung zu machen. Ohren, die allerdings einiges gewohnt sind: Nicht umsonst wird Banks Violette als der Künstler gefeiert, der vor drei, vier Jahren die subkulturelle Ästhetik des Death Metal – so ungefähr das Härteste, womit der Pop in der letzten Dekade aufwarten konnte – aufgegriffen und so lange mit Hilfe unzähliger Schichten schwarzen Klavierlacks poliert und formal reduziert hat – bis ein ihm heute unliebsames Label dabei herauskam. Mit „New Gothic“ hatte der Kunstmarkt seinen neuen Trend unter dem heute noch Namen wie Terence Koh oder Gardar Eide Einarsson laufen.
Schon am Beginn von Bank Violettes Karriere stand ein klares Statement: Eine scheinbar ausgebrannte Kirche im New Yorker Whitney Museum. Kohlrabenschwarz. Gottlos. Gotisch. Was eigentlich fürs barocke Salzburg nur Gutes verheißen konnte. Und siehe, es blieb verschont – indem Violette es einfach ausblendete aus seinem dunklen Universum, das laut Ehmann die „amoralische Seite der amerikanischen Seele mit Mitteln der Minimal Art“ spiegeln will. Die Fenster der Galerie mit ihrem berühmten Ausblick auf den Mirabellgarten verstellen meterhohe, spiegelblank schwarze „Screens“. Und auch das elegante weiße Stiegenhaus wurde mit derart monumentaler Geste blind gemacht. Noch nie schien der Aufstieg ins Ropac'sche Machtzentrum weißer. Und härter.
Insgesamt sechs Installationen hat Violette für die Galerie ersonnen, in deren Vorraum jetzt leise ein Kühlaggregat surrt, dessen Gedärme dekorativ auf ein schwarzes Quadrat am Boden davor gequollen sind. Eines der Kupferkabel sticht dabei heraus, ist in Betrieb, zentimeterdick vereist. Schrecklich wichtig scheinen Violette diese Kabel, die wie dicke schwarze Nabelschnüre zu den Objekten führen und das liefern, was das Metal-Leben überhaupt erst so richtig böse machen kann: den Strom. So etwa auch bei einer verkehrten stilisierten US-Flagge aus Neonröhren, die wirkt, als wäre sie gerade aus der nahen schwarzen Box gepackt, an die Wand gewuchtet und angelehnt worden wie eine monströse Bassgitarre.
Doch all dies ist nur Illusion, wir wissen es spätestens, wenn wir unserem Abbild in einer meterlangen, spinnennetzartig zerborstenen Spiegelwand gegenüberstehen, die sich massig durch drei Räume windet. Auf der Rückseite verspannt mit Kettensägenketten und zwei Motoren zieht sie sich über die acht Wochen Ausstellungszeit langsam immer mehr zusammen – und zerstört sich so selbst. Der Sammler, der sie bereits erworben hat, kann die Spiegel danach wieder ersetzen lassen. Also Heavy Crash mit Happy End sozusagen.
ZU PERSON UND AUSSTELLUNG
Banks Violette (1973 in Ithaca, N.Y.) studierte Kunst und gilt als Begründer des Kunstmarkt-Trends „New Gothic“. Die sechs Installationen in der Galerie Ropac (180.000–330.000€) sind ausverkauft, zu Violettes Sammlern zählen u.a. Francois Pinault, Steven Cohen. Bis 19.Jänner.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2008)