Kindertheater. Im Theater der Jugend stellen drei Pinguine kindgerechte Fragen nach Gott; im Rabenhof wird Till Eulenspiegel in die Jetztzeit versetzt.
Aus dem Eisloch hüpfen drei Pinguine auf die Bühne des Renaissancetheaters. Jedenfalls wirken die Figuren mit Norwegermütze, Strickjacke und Sackbauch wie Pinguine – in der österreichischen Erstaufführung von „An der Arche um Acht“. Das Theater der Jugend bringt das in Deutschland mit Preisen überhäufte Buch und Hörspiel in einer kurzweiligen Inszenierung auf die Bühne.
Die drei Pinguine sind beste Freunde, die hie und da streiten. Nach einem besonders heftigen Streit, ob es Gott denn gebe und wieso ihn noch keiner gesehen habe, wenn er doch groß und mächtig sei, taucht eine weiße Taube auf (hühnerhaft gespielt von Ralf Bockholdt) und verkündet, dass Gott die Menschen und Tiere mit ihrem ewigen Streit satt hat und eine Sintflut schicken wird. Es gibt noch zwei Tickets für die Arche Noah. Die Frage ist, wie wählt Gott die beiden Tiere jeder Art aus? Kommen nur die Besten durch oder ist es Zufall? Die drei Pinguine wollen sich jedenfalls nicht entscheiden und schmuggeln den dritten Pinguin (entzückend: Matthias Mamedof) an Bord. Das Bühnenbild und die Szenenwechsel sind fantasievoll gemacht. Wenn das Schiff schaukelt, taumelt man fast mit.
Im Bauch des Schiffes läuft für die Pinguine alles gut, bis bei einem Gespräch über Glaube, Liebe und Käsekuchen der Schwindel fast auffliegt. Das Stück ab sechs Jahren geht natürlich gut aus. Die Schauspieler bringen die Fragen, die jedes Kind über Gott hat, amüsant auf die Bühne. Dabei geht es ausgesprochen tolerant zu. Am Schluss findet sogar eine Schwulenhochzeit statt.
Wie bei den Pinguinen ist auch im Stück „Der junge Till“ Freundschaft wichtig. Zu Beginn tritt ein Kasperl auf: „Nein, ich mache nicht Werbung für Jolly-Buntstifte. Die Mütze brauche ich für das Casting für Till Eulenspiegel beim Schultheater“, erklärt Paul König als 14-jähriger Paul seinem besten Freund Sebastian (Sebastian Wendelin). So wird im Rabenhof einerseits der mittelalterliche Till Eulenspiegel ansatzweise auf die Bühne gebracht, andererseits verpflanzt Sebastian den Schelm Eulenspiegel als ganz normal überdrehten Schüler ins Heute.
Rainer singt in ein Sackerl...
Auch das Bühnenbild ist modern: Gespielt wird vor einer Videowall mit Aufnahmen von Park und Schule, durchbrochen von flotten Szenenwechseln, die in Highspeed den Fußweg zwischen den Orten abspulen. Ton und Musik liefert Rainer von Vielen, Gewinner des Protestsongcontests 2005, der auf der Bühne hinter dem Mischpult sitzt und immer wieder ins Stück eingebaut wird.
Die Schüler Paul – der Schüchterne, dem die Worte im Hals stecken bleiben – und Sebastian – der wortgewandte und vife Schelm – haben jedenfalls Stress, weil sie fast von der Schule geflogen wären. Das Stück von Gregor Barcal und Alex Scheurer strotzt vor Wortwitz, Wortverdrehungen, schnellen Dialogen. Im Publikum lachen jung und alt sogar an denselben Stellen. Schön inszeniert ist auch die Sache mit dem weißen Papiersack, wobei die Wiener Redewendung „Red's in ein Sackerl“ auf Musik umgelegt wird und Rainer in das Sackerl singt, damit Sebastian es sich später anhören kann. Sozusagen die coolste Darstellung eines mp3-Players, seit es die kleine Plaudertasche gibt.
So subtil und pfiffig das Spiel mit Worten funktioniert, so überzeichnet und klischeehaft treten die Erwachsenen im Stück auf. Der strenge Direktor (Bernhard Majcen), der proletenhafte Chemielehrer als Tyrann, die verwirrte Mittelschullehrerin, die naive Schulärztin, die sich von einem 14-Jährigen austricksen lässt, und Pauls Vater als Pilot, der nie Zeit für seinen Sohn hat. Doch das störte die jugendlichen Zuseher nicht: Bei der Premiere folgten alle der Geschichte über Freundschaft, Verliebtsein und Erwachsenwerden mit großer Spannung und belohnten das Ensemble mit Jubelrufen.
„An der Arche um Acht“ im Renaissancetheater, täglich außer Sonntag, 11.-15.1., 18.-20.1., 22.-28.1., 1. u. 2.2., www.tdj.at, ab sechs Jahren.
„Der junge Till“ im Rabenhoftheater, bis 2.2., www.rabenhof.at, ab 11 Jahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2008)