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Citymaut ja, aber wie?

Wenn Citymaut wirken soll, muss sie da ansetzen, wo es „wehtut“.

London hat sie, Stockholm und Mailand auch, weitere Städte werden folgen. Um den überbordenden Autoverkehr zu reduzieren müssen dort Autofahrer eine saftige Gebühr bezahlen.

Bewährt hat sich das überall. Der Autoverkehr ging zurück, Öffis kommen schneller voran, und die größte Angst der regierenden Politiker – jene, bei den nächsten Wahlen aus dem Amt gejagt zu werden – ist widerlegt: Ken Livingston, Londons Bürgermeister, wurde wiedergewählt. Die Stockholmer gingen einen riskanten aber klugen Weg. Erst wurde die Citymaut probeweise eingeführt mit dem Versprechen, die Bewohner per Volksabstimmung entscheiden zu lassen. Die Stockholmer sagten dann Ja.

In Wien tobt ein unproduktiver Glaubenskampf rund um die Frage Pro oder Contra einer solchen Citymaut. Unproduktiv ist es, weil unklar ist, worüber gestritten wird. Spannend und derzeit ungeklärt ist nämlich die Frage, wie eine Wiener Citymaut aussehen könnte.

Denn wenn sie wirksam sein soll, muss sie dort ansetzen und „wehtun”, wo wir die größten Verkehrszuwächse haben. Das ist jedoch nicht in der „City”, auch nicht innerhalb des Gürtels, sondern auf den Stadteinfahrtsstraßen. Dort müsste diese Maut eingehoben werden, die deswegen besser „Staumaut” und nicht „Citymaut” heißen sollte.

Wo es staut, fahren zu viele Autos. Und dann soll gezahlt werden. Damit würden jene (zurecht) zahlen, bzw. auf öffentlichen Verkehr umgelenkt, die ihr Haus „im Grünen” haben und nach Wien pendeln. Und noch wichtiger: den peripheren Einkaufszentren wird der Lebensnerv gezogen.

Am Samstag mit den Auto in die SCS? Bei einer saftigen Gebühr werden manche doch in der Stadt einkaufen. Diese Staumaut würde wie ein Ring den ganzen Stadtrand von Wien umfassen und auch nach Niederösterreich reichen.

Ungeklärt ist natürlich die Frage der technischen Umsetzung. Vorher zahlen wie in London, dann alle fotografieren und anhand der Nummerntafeln die Gebühr kontrollieren ist nicht rasend innovativ. Ein elektronisches System würde sich anbieten. Per Funk wie unsere Lkw-Maut? Via Satellit wie in Deutschland?

Sehr viele Fragen sind ungeklärt. Statt Glaubenskampf wär's doch ganz schlau, wenn Stadtrat Schicker einige Wiener Modelle ausarbeiten ließe. Damit man dann wenigstens weiß, worüber man streitet.


chorherr.twoday.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2008)