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Grazer FPÖ-Obfrau Winter: „Kinderschänder Mohammed“

APA (Martin Wiesner)
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Neujahrstreffen. Mit Mobilisierungs-Parolen und Rundumschlägen gegen die Bundesregierung und den Islam starteten FPÖ und BZÖ ins Grazer Wahlkampf-Finish.

GRAZ. Mit rüden verbalen Ausritten gegen den Islam sorgt die Grazer FPÖ-Obfrau Susanne Winter am Sonntag für Aufregung. Eine Woche vor der Gemeinderatswahl in der steirischen Landeshauptstadt warnt die blaue Spitzenkandidatin vor einem „islamischen Einwanderungs-Tsunami über Graz“. Deshalb fordere sie, den Islam „dort hin zurückzuwerfen, wo er hergekommen ist: Jenseits des Mittelmeeres.“

Außerdem habe Mohammed den Koran in „epileptischen Anfällen geschrieben“ und wäre, „weil er ein sechsjähriges Mädchen geheiratet hat, im heutigen System ein Kinderschänder“, sagte Winter beim Neujahrstreffen der Bundes-FPÖ in Unterpremstätten.


Zeltfest-Atmosphäre

Die Veranstaltungshalle am Gelände eines Freizeitzentrums südlich von Graz ist an diesem Sonntagvormittag prall gefüllt. Verrauchte Luft, Bier, Würstel und „Styrina“, eine blonde Stimmungssirene als Einpeitscherin, sorgen für Zeltfest-Atmosphäre. Zu dröhnenden Bass-Tönen fordert sie die knapp 3000-köpfige Menge bei einem angeblichen Schlagerhit zum kollektiven „Hilfe“-Schreien auf.

Kurz danach betritt FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache die Bühne und blickt in ein winkendes Meer von rot-weiß-roten Fahnen. Standing ovations. Das Begeisterungsbild wird sich 90 Minuten später wiederholen.


„Anschluss an EU-Diktatur“

Dazwischen beglückt Strache die aus ganz Österreich angereiste Anhängerschaft mit einem Attacken-Staccato gegen den Rest der Welt. Vom „Globalisierungs-Wahnsinn“ über die „europäische Unionsdiktatur“, wo Strache einen Vergleich mit dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland sieht: Damals habe es „zumindest eine – wenn auch fragwürdige – Volksabstimmung gegeben“.

Von der Bundespolitik über die niederösterreichische Landes- bis hin zur Grazer Kommunalpolitik – Strache lässt keine Angriffsfläche aus. Die ÖVP bezeichnet er als „Homoehe-Partei“, deren Klubobmann Wolfgang Schüssel als „Maulhelden und Schaumschläger“, Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer sei ein „Blutsauger“.

Bevor er sich nach einer Stunde auch „inhaltlichen Themen“ (Strache) wie „Hungerlöhnen“ und „Massenzuwanderung“ widmet, betätigt sich der freiheitliche Bundesparteiobmann als Wahlkämpfer für Graz und Niederösterreich. Den Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl bezeichnet er als „Sargnagel“. Und Niederösterreich, wo am 9. März Landtagswahlen anstehen, „brauche mehr Profil und weniger Glatze“, ätzt er Richtung ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll.

Später wird sich Strache die rosa Krawatte vom Hals reißen, „wir haben viel zu tun“ in den Saal schreien und dem rot-weiß-roten Fahnenmeer entgegenwinken.

Knapp zwanzig Kilometer weiter nördlich, am anderen Ende von Graz, wird zu diesem Zeitpunkt ebenfalls eifrig gewinkt. Auch dort biegt ein Neujahrstreffen in die Zielgerade.


„Grüß Gott statt Allah ist groß“

Knapp 1000 Anhänger hat das BZÖ in die Grazer List-Halle gelotst. „Jetzt oder nie“ strahlt es von den Wahlkampfplakaten rechts und links der Bühne. Auch dort wird Bundes- und Stadtregierung angegriffen.

Klubobmann Peter Westenthaler will der „sozialen Tiefkühltruhe“ der Koalition einen „orangen Hochofen“ gegenüberstellen. Der Grazer Spitzenkandidat Gerald Grosz will „Graz von Missständen säubern“ – und der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider höhnt wie Winter gegen den Islam: „Noch darf man ja Grüß Gott und muss nicht Allah ist groß sagen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2008)