Im BAWAG-Prozess bezeichnete der Sachverständige Keppert die Bank-Bilanzen 2003 und 2004 unter der Bedingung als richtig, wenn der damalige BAWAG-Vorstand nichts von den Malversationen um das später zusammengebrochene US-Brokerhaus Refco, an dem die BAWAG beteiligt war, wusste. Nur wenn der BAWAG-Vorstand davon nichts gewusst habe, sei der angesetzte hohe Wert für die Refco-Beteiligung vertretbar.
"Es geht um den subjektiv richtigen Jahresabschluss, aus dem damaligen Wissen eines ordentlichen und gewissenhaften pflichtgemäßen Vorstands heraus", erläuterte Keppert heute seinen Untersuchungsansatz.
Für die Bilanz 2003 schränkte Keppert zusätzlich noch ein, dass wegen der - gemäß seinem früheren Gutachten - falschen Bilanz 2002 auch die Eröffnungsbilanz 2003 nicht richtig war. In der Schlussbilanz 2003 stimme dann der Posten Bilanzgewinn wieder. "Ob mit dieser Unrichtigkeit im Jahresverlauf eine Nichtigkeit gegeben ist, traue ich mir selber nicht zu beurteilen, das soll das Gericht tun", überließ Keppert die Beurteilung dieses Problems dem Gericht. In seinem bereits im November präsentierten Gutachten hatte Keppert erklärt, dass die BAWAG-Bilanzen der Jahre 1998 bis 2002 nicht richtig waren.
Die Einschätzung des Gutachters Thomas Keppert zur Bewertung der Beteiligung der BAWAG am Casino in Jericho wurde von einigen Angeklagten vehement bestritten. Der Casino-Anteil wurde in den BAWAG-Bilanzen mit 120 Mio. Euro angesetzt, hätte aber abgeschrieben werden müssen, weil das Casino im Oktober 2000 geschlossen wurde. Die Casinos Austria hätten ihre Beteiligung bereits zur Gänze abgeschrieben, während sie in den BAWAG-Büchern noch jahrelang hoch bewertet gewesen war, monierte der Sachverständige. Helmut Elsner verteidigte das Vorgehen der BAWAG.
(APA)