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"Bibel-Fonds": Mit gutem Gewissen hohe Renditen

(c) AP (Corrado Giambalvo)
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17 Prozent Rendite erwirtschaftete die US-Fondsgruppe "Timothy Plan" im vergangenen Jahr. Die Anlagestrategie ist streng religiös orientiert: "Böse" Unternehmen finden sich nicht im Portfolio.

"Faith-based funds" heißen die 36 US-Fonds, die nur Aktien von "guten" Unternehmen kaufen. "Faith-based" bedeutet "Glaubensbasiert". Daher bestimmt auch die Religion, was eine "gute" und was eine "böse" Firma ist. Das geht aus einem Bericht des deutschen "SpiegelOnline" hervor.

Eindeutig inakzeptabel sind Unternehmen, die ihr Geld mit Abtreibung verdienen. Es reicht aber schon aus, wenn ein Betrieb gleichgeschlechtlichen Paaren Rabatte einräumen. Dann kauft zumindest die rentabelste religiöse Fondsgruppe, Timothy Plan, keine Aktien mehr. Noch weniger tolerant agiert der Ave Maria Catholic Values Fund. Dort sind Unternehmen verpönt, die unverheirateten Partnern ihrer Angestellten finanzielle Vergünstigungen gewähren. Aktien von McDonald's und Kimberley-Clark, dem größten US-Wegwerfwindel-Hersteller, flogen deshalb aus dem Portfolio.

Timothy Plan schneidet laut dem Magazin "Financial Times" innerhalb der Branche am besten ab. Trotz Immobilienkrise und der angespannten Konjunkturlage erwirtschaftete er 2007 eine Rendite von 17 Prozent. In den vergangenen fünf Jahren waren es durchschnittlich sogar 18,6 Prozent. Timothy Plan tätigt seine größten Investments in der Energiebranche. Exxon Mobil, Conoco Phillips und Marathon Oil dürften moralisch unbedenklich sein.

Volumen in zehn Jahren vervierzigfacht

Der größte religiöse Fonds ist aber der baptistische Guidestone Fund. Der "beschützende Stein" verwaltet über zehn Milliarden Dollar. Er profitierte am stärksten von der rasant wachsenden Glaubensbranche: Noch vor zehn Jahren war das gesamte Volumen aller "faith-based funds" nur bei 400 Millionen Dollar. Der Branchendienst Morningstar schätzt, dass heute schon 17 Milliarden Dollar in den USA nach bestem Gewissen investiert werden.

In Europa gibt es derzeit fast keine rein religiös orientieren Investmentfonds. Zu den wenigen Ausnahmen zählen der muslimische "Equity A-Buraq" oder der christliche "Christian Values". Dafür haben Öko- und Ethikfonds in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt. Diese Fonds investieren nur in Unternehmen, die nach ökologischen, nachhaltigen oder ethischen Grundsätzen handeln. (ebl)