Ex-Bawag-Chef Elsner verteidigt die Aufwertung des Bankanteils am Casino in Jericho auf 120 Mio. Dollar: Der verstorbene PLO-Chef Arafat habe das Projekt unterstützt.
Der Sachverständige Thomas Keppert hat am Dienstag vor Gericht sein letztes Teilgutachten zu den Bawag-Bilanzen präsentiert. Sein Ergebnis: Unter gewissen Bedingungen könnten die Bilanzen der Jahre 2003 und 2004 richtig gewesen sein.
Bereits im Dezember hatte Keppert klar gelegt, dass im Bawag-Jahresabschluss 1998 Wertberichtigungen von mindestens 558 Mio. Euro, in der Bawag-Bilanz 1999 von mindestens 1.198 Mio. Euro und im Jahresabschluss 2000 von mindestens 86,45 Mio. Euro fehlten. In der Bawag-Bilanz 2001 fehlen Wertberichtigungen in Höhe von 591 Mio. Euro.
Die Bank-Bilanzen 2003 und 2004 könnten aber richtig gewesen sein: Unter der Bedingung, dass der damalige Bawag-Vorstand nichts von den "Malversationen" um das später zusammengebrochene US-Brokerhaus Refco wusste.
Nur wenn der Bawag-Vorstand davon nichts gewusst habe, sei der angesetzte hohe Wert für die Refco-Beteiligung vertretbar. Die Bawag war an Refco beteiligt, dessen Pleite leitete den Bawag-Prozess ein. "Es geht um den subjektiv richtigen Jahresabschluss, aus dem damaligen Wissen eines ordentlichen und gewissenhaften pflichtgemäßen Vorstands heraus", erläuterte Keppert heute seinen Untersuchungsansatz.
Bilanzen 1998 bis 2002 falsch
Für die Bilanz 2003 schränkte Keppert ein, dass wegen der falschen Bilanz 2002 auch die Eröffnungsbilanz 2003 nicht richtig war. In der Schlussbilanz 2003 war der Gewinn wieder richtig ausgewiesen. "Ob mit dieser Unrichtigkeit im Jahresverlauf eine Nichtigkeit gegeben ist, traue ich mir selber nicht zu beurteilen, das soll das Gericht tun", überließ Keppert die Beurteilung dieses Problems dem Gericht. In seinem bereits im November präsentierten Gutachten hatte Keppert erklärt, dass die Bawag-Bilanzen der Jahre 1998 bis 2002 nicht richtig waren.
Streit um Bewertung des Casinos in Jericho
Für Emotionen sorgte Kepperts Einschätzung zur Bewertung der Beteiligung der Bawag am Casino in Jericho. Der Casino-Anteil wurde in den Bawag-Bilanzen mit 120 Mio. Euro angesetzt. Dieser Anteil hätte aber abgeschrieben werden müssen, weil das Casino im Oktober 2000 im Zuge von Kämpfen geschlossen wurde und laut Keppert keine Aussicht auf Wiedereröffnung bestanden habe. Die Casinos Austria hätten ihre Beteiligung zur Gänze abgeschrieben. In den Bawag-Büchern hingegen wäre der Anteil noch jahrelang hoch bewertet gewesen, kritisierte der Sachverständige. Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner das vehement.
"Arafat können Sie nicht mehr fragen"
Elsner verteidigte das Vorgehen: Das Casino sei als wichtige israelisch-palästinensische Fremdenverkehrsinvestition vom inzwischen verstorbenen PLO-Chef Yasser Arafat unterstützt worden. Arafat sei persönlich in Wien gewesen, "auch bei uns in der Bank", erzählte Elsner - "aber Sie können ihn nicht mehr dazu fragen, er ist schon tot", meinte Elsner zur Richterin.
Immer wieder seien Medienberichte über ein mögliches Aufsperren des Casino Jericho erschienen. Falls es neue Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern gebe, könne das Casino jederzeit wieder aufgesperrt werden, zeigte sich Elsner optimistisch.
Vergleich mit Zwentendorf
Keppert konterte, ihn erinnere die Debatte um das Casino Jericho frappant an das Atomkraftwerk Zwentendorf. Die Verbundgesellschaft habe das AKW nach der Volksabstimmung, in der sich die Österreicher dagegen ausgesprochen hatten, zwar weiterhin konserviert, aber in ihren Büchern sämtliche Kredite und Beteiligungen daran abgeschrieben.
Die Bawag P.S.K. hat erst in ihrer Bilanz 2005 den Betrag von 120 Mio. Euro wertberichtigt, der als Beteiligung für das Casino Jericho in den Büchern ausgewiesen war. Die ursprüngliche Bewertung der Beteiligung der Bawag über 5 Mio. Euro am Casino Jericho wurde im Jahr 2001 auf 120 Mio. Euro aufgewertet. Die Bawag war mit 10 Prozent am Gemeinschaftsprojekt zur Errichtung des Casino Jericho beteiligt, zu dessen Eigentümern weiters die Casinos Austria, die MS Privatstiftung von Investor Martin Schlaff sowie eine palästinensische Investorengruppe gehörten. (APA)