Osteuropas Banken trotzen der Krise

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In Südosteuropa könnten Kredite knapp werden. Die meisten osteuropäischen Länder spüren die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise aber kaum.

Wien.Geht dem Osten das Geld aus? Nein, sagt Marcus Svedberg, Chefökonom der schwedischen Fondsgesellschaft East Capital. Die Befürchtung, dass die US-Hypothekenkrise auch in der Region Mittel- und Osteuropa (CEE) einen Kreditengpass auslösen könnte, sei unbegründet. Die Kreditkrise sei zwar weltweit zu spüren, Osteuropa komme aber mit einem blauen Auge davon, sagt er am Rande der Euromoney Conference in Wien.

Denn erstens sind die meisten Ost-Banken überwiegend mit traditionellen Bankgeschäften beschäftigt und haben keine riskanten Derivate im Portfolio. Zweitens ist die Region relativ unabhängig vom US-Konsum. Von Russland gehen etwa nur vier Prozent der Exporte nach Nordamerika, sagt Svedberg. Im Vergleich dazu liefert China und Asien ein Fünftel ihrer Exporte in die Vereinigten Staaten.

Alexander Dementiev, Vizepräsident der russischen Uralsib Bank kann der Krise sogar Positives abgewinnen. Denn die Unternehmen wollen weiter investieren. Eine Chance für liquide Banken, in Zeiten in denen Geld rar ist.

Baltikum: Kredite werden knapp

Einige Länder könnten dennoch einen Liquiditätsengpass erleiden, prophezeit BA-CA Chef-Ökonomin Debora Revoltella. Sie rechnet mit knappen Krediten in Südosteuropa und im Baltikum. Für die Ökonomin eine willkommene Abkühlung der überhitzten Märkte.

Diese Länder hätten ihre Entwicklung überwiegend mit ausländischem Kapital finanziert. Ähnlich sieht das Herbert Stepic, Chef der Raiffeisen International. Er erwartet die stärksten Auswirkungen in der GUS, wo es zu einem starken Kreditwachstum gekommen war. Eine beunruhigende Verlangsamung des Wachstums erwartet er nicht. Es werde lediglich zu einer Korrektur an manchen Märkten kommen.

Die Wachstums-Prognose der BA-CA-Experten für die CEE-Region im kommenden Jahr fällt optimistisch aus. Die Spitzen des Wachstums seien zwar erreicht. 2008 werde die Wirtschaft in Osteuropa im Schnitt trotzdem um 5,9 Prozent wachsen. Im vergangenen Jahr betrug das Wachstum noch 6,6 Prozent.



„Wenn Inflation die größte Bedrohung für Russland ist, werden wir es überleben.“

Alexander Dementiev

Als größte Gefahr für die Region bezeichnet Marcus Svedberg die steigende Inflationsrate. Im Vorjahr ist Brot in Russland um ein Viertel teurer geworden, Butter um 20 Prozent. Große Steigerungsraten gab es in ganz Osteuropa auch bei den Energiekosten.

Dabei hat die Region in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um die Inflation zu drücken. Russland halbierte die Inflation seit 2000 von 20 auf unter zehn Prozent. Rumänien verringerte die Preissteigerungen von 45,6 auf 6,6 Prozent. Darum sieht der Banker Dementiev das Problem auch gelassen. Höhere Sozialausgaben der Staaten und steigende Löhne würden sich eben auch im Preisniveau niederschlagen. Wenn der Ölpreis sinkt und keine neuerliche Dürre einsetzt, werde sich die Inflation 2008 in der CEE-Region im Rahmen halten, prognostiziert Erste Bank-Experte Rainer Singer.

Starkes Jahr für Russland

Die beste Performance erwartet Svedberg im kommenden Jahr von Russland. Über 300 Mrd. Dollar Währungsreserven, nach China und Japan der drittgrößte Währungsschatz der Welt, lassen kein Liquiditätsproblem in Russland zu. 2007 kletterte der russische Leitindex RTS um 17,1 Prozent. Auch 2008 soll laut RZB-Analyst Peter Brezinschek ein gutes Aktienjahr in Russland werden. Seit Jahren wächst die russische Wirtschaft konstant. Und das, obwohl das Land 1998 noch fast bankrott war, gibt Svedberg zu bedenken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2008)


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