Giorgio Armani ist 73 und kein bisschen müde. In seiner Heimatstadt Mailand präsentierte der Designer neue Wintermode für den Herren – und eine neue Hautcreme.
Wenn sie von ihm sprechen, dann leuchten ihre Augen. Immer noch. Die Rede ist von der Armada an Mitarbeitern, die sich um Giorgio Armanis Geschäfte (oder besser: sein Imperium) kümmern. Die darauf aufpassen, dass das Mode-Werkel rennt, sozusagen.
Besonders viele leuchtende Augen bekommt man jedes Jahr in Mailand zu Gesicht, zur Zeit der Männer-Fashion Week. Da zeigen zwar auch Roberto Cavalli, Miuccia Prada, Alexander McQueen und viele mehr ihre Entwürfe für den kommenden Herbst und Winter. Aber so präsent wie „Mr. Armani“ (so nennen ihn seine Mitarbeiter stets ehrfürchtig) ist sonst niemand in der norditalienischen (und nicht besonders hübschen) Industriestadt. Denn Giorgio Armani istMailand. Nachdem der 73-jährige Designer am Samstag seine Kollektion der preisgünstigeren Modelinie „Emporio Armani“ präsentierte – und dabei prominente Unterstützung von Sängerin und Emporio-Werbeträgerin Beyoncé Knowles und ihrem Langzeitfreund Jay Z bekam – war am Dienstagnachmittag die klassische Marke „Giorgio Armani“ dran.
Zentrum von Armanis Modewelt ist das Teatro in der Via Bergognone im Mailänder Stadtteil Tortona. Auf die Frage, ob dem Designer dieses ehemalige Fabriksgelände von Nestlé gehört, bekommt man nur erstaunt-überraschte Blicke seiner Mitarbeiter und ein: „Mr. Armani owns everything“. Also gut. So viel dazu.
Im 12.000 m großen „Armani Teatro“ zeigt Armani nicht nur seine neuen Kollektionen, er hat hier auch sein Büro-Hauptquartier eingerichtet und veranstaltet internationale Pressekonferenzen. Wobei, die Organisation übernehmen – wie gesagt – die Mitarbeiter. „Aber Mr. Armani überwacht alles, er segnet jede einzelne Einladung, jeden Folder eigenhändig ab“, sagt einer. Bei der Pressekonferenz am Dienstagvormittag, bei der Armani seinen jüngsten Coup, die Herren-Kosmetiklinie „Skin Minerals“, die u.a. aus den Mineralstoffen von Vulkangestein besteht, präsentierte, erschien der Chef tatsächlich persönlich. Er hatte die Proben für die Modeschau am Nachmittag nebenan unterbrochen – und stand plötzlich da. Und es war so, wie es seine Mitarbeiter zuvor prophezeit hatten: „Mr. Armani appears“, Mr. Armani erscheint einfach.
Ein paar Stunden später geht es dann um „regal“, so nennt Armani seine neue Herren-Kollektion und das heißt soviel wie „königlich“. Aber majestätisch ist die neueste Herbst/Winter-Mode von Mr. Armani eigentlich nicht. Im Gegenteil, die schwarzen Samt-Sakkos und weich fließenden Cordhosen sehen ziemlich bequem aus. Und die dunkelblauen und grauen Rollkragenpullover erinnern vor allem an eines: An Mr. Armanis persönlichen Kleidungsstil: figurbetont, dunkel, sie liegen irgendwo zwischen sportlich und elegant.
In ein paar Wochen kann man die Kleidungsstücke, die am Dienstag auf dem Laufsteg zu sehen waren, in allen Armani Shops kaufen. Und in Mailand kommt man dem Designer – um dessen Nachfolge ein heftiges Rätselraten begonnen hat, weil er keine Kinder hat – auch sonst nicht aus. Plakate zieren eingerüstete Häuser, mehr als zehn Armani Boutiquen gibt es allein in der Innenstadt. Seine Mitarbeiter schwärmen aber nur von „The House“. Das dreistöckige „Armani Casa“ liegt in der Via Manzoni. Und selbstverständlich gehört es Mr. Armani selbst.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2008)