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Sarkozy: „Keine Zivilisation ohne Religion“

Frankreichs Präsident lobt bei Besuch in Saudiarabien religiöse Systeme und stößt Laizisten vor den Kopf.

PARIS/RIAD (r. b.). Da waren selbst die moslemischen Gastgeber erstaunt: Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, derzeit auf Tour durch die Arabische Halbinsel, betonte Mittwoch in Riad den Wert der Religion: „Keine Zivilisation ist ohne Religion. Es waren die Religionen, die uns als Erste die universellen Prinzipien der Moral und der Menschenwürde beibrachten.“ Vor seinen saudischen Gastgebern setzte sich Sarkozy zudem für eine „Versöhnung der Zivilisationen“ und für einen „weltoffenen, toleranten Islam“ ein.

Für den Präsident einer weltlichen Republik mit einer seit 1905 per Verfassung garantierten Trennung von Kirche und Staat ist die Annäherung zum Allmächtigen, der über Konfessionen hinweg Brücken schlagen soll, spektakulär. Doch für Sarkozy hat Leben wohl nicht nur materielle Dimensionen: In ähnlichem Sinn hatte er sich vor Weihnachten bei einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. geäußert.


„Wer glaubt, hat Hoffnung“

„Frankreichs Wurzeln sind im Wesentlichen christlich (...) Ein Mensch, der glaubt, ist ein Mensch der Hoffnung hat. Es ist im Interesse der Republik, dass möglichst viele Frauen und Männer hoffen. Die spirituelle Leere in den Vorstädten oder der Priestermangel hat die Franzosen nicht glücklicher gemacht.“ Sich selbst nennt Sarkozy einen nur gelegentlich praktizierenden Katholiken.

Frankreichs Laizisten sind sauer: DerZentrumspolitiker François Bayrou hieß es „paradox“, dass Sarkozy als Materialist agiere und mit Religion flirte. Viele warnten, das säkulare Gleichgewicht zu hintertreiben, das es erlaubt hat, die ewigen Konflikte Kirche – Republik zu beenden. In vergangenen Jahrzehnten waren diese bei Debatten um staatliche Unterstützung für religiöse Schulen wieder entbrannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2008)