Europa und die USA brandmarken ausländische Staatsfonds als "gefährlich". Ein Staatsfonds aus Dubai sieht sich nun vermehrt in Schwellenländern wie China um.
In den USA und Europa mehren sich die Bedenken gegen Staatsfonds. So lief in den USA der Kongress vor zwei Jahren Sturm gegen die Übernahme des heimischen Ölkonzerns Unocal durch den chinesischen Staatskonzern CNOOC. Dem Hafenbetreiber Dubai Ports wurde auf politischen Druck gar der Zugriff auf mehrere US-Häfen verwehrt.
Auch in Europa wächst die Angst vor dem Ausverkauf an ausländische Staatsinvestoren. So brachte EU-Handelskommissar Peter Mandelson die goldene Aktie ins Gespräch, um Unternehmen vor dem unerwünschten Zugriff ausländischer Staatsfonds zu schützen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für die Möglichkeit aus, dass der Staat Investitionen in bestimmten Branchen besser verhindern können soll als bisher.
"China nimmt Staatsfonds gern auf"
Als Folge des Misstrauens erwägen nun Staatsfonds aus Dubai den USA und Europa den Rücken zu kehren, um stärker in Schwellenländer wie China zu investieren. Es fehle an Vertrauen in die Fonds, sagte David Jackson, Chef der Dubaier Investmentgesellschaft Istithmar dem "Wall Street Journal": "Länder wie China, wo wir vor kurzem ein Büro eröffnet haben, nehmen Staatsfonds gerne auf, und deswegen wollen noch mehrere dort investieren".
Istithmar gehört zu Dubai World, ebenso wie der Containerhafen-Betreiber DP World. Das Unternehmen war im vergangenen Jahr in den USA zum Verkauf mehrerer Häfen gezwungen worden. US-Abgeordnete hatten dies mit Sicherheitsbedenken begründet. "Jeder kennt den Rückschlag für DP World in den USA, und als Folge schauen sich Staatsfonds vermehrt Schwellenländer an, um solche Rückschläge zu vermeiden", sagte Jackson.
Staatsfonds als "Banken-Retter"
Während Regierungen über Schutzmaßnahmen nachdenken, öffnen sich Unternehmen freiwillig staatlichen Investoren. So waren Anlagegesellschaften aus Asien und dem Nahen Osten zuletzt als Retter großer US-Banken aufgetreten. US-Banken wie Merrill Lynch oder Citigroup waren angesichts der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt in Schwierigkeiten geraten und hatten sich bei den Staatsfonds dringend benötigtes frisches Geld besorgt.
Knapp vor dem Heiligen Abend 2007 hatte das weltweit führende Maklerunternehmen Merrill Lynch mitgeteilt, dass die Anlagegesellschaft Temasek Holdings PTE Ltd aus Singapur 4,4 Mrd. Dollar an Merrills Aktienkapital übernehmen wird. Merrill ist aber nicht das einzige amerikanische Finanzunternehmen, das bei den neureichen ausländischen Investoren anklopft. Auch Morgan Stanley gab wegen Milliardenverlusten knapp zehn Prozent ihres Aktienkapitals für fünf Mrd. Dollar an einen chinesischen Staatsfonds ab. Die krisengeschüttelte Citigroup, das weltweit größte Bankunternehmen, verkaufte für 7,5 Mrd. Dollar einen Teil seiner Aktien an das Scheichtum Abu Dhabi. (Ag./phu)