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Pop

Omar: Abhängen mit Stevie

omarmusic.net
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Nicht viele Briten schaffen es, im US-Musikbusiness ernst genommen zu werden. Omar schon. Der Soulsänger im Gespräch über prominente Idole und prominente Fans.

Der britische Soulsänger Omar legte kürzlich mit „Sing (If You Want It)“ ein superbes Album vor, auf dem unter anderem Gäste wie Common, Angie Stone und Stevie Wonder brillieren. Nun gastiert der 39-Jährige, der mit Liedern wie „There Is Nothing Like This“ und „Saturday“ unvergesslich wurde, im Believers Club im Porgy&Bess. Das Schaufenster telefonierte mit dem Exzentriker.

Nach Ihrer CD „Best By Far“ von 2001 dauerte es ein Weilchen, bis Sie wieder ins Studio fanden. Warum?

Nun, es kam einiges durcheinander bei mir. Ich wechselte mein Management, dies sogar zweimal, ich startete ein ­eigenes Label, tourte, komponierte und baute mir ein eigenes Studio. Diese Veränderungen inspirierten mich sehr.

Der Brite, auch wenn er von dunkler Hautfarbe ist, hat es zumeist schwer in den USA, der Heimatscholle des Soul. Sie aber kollaborierten mit Motown-Granden wie Lamont Dozier und Leon Ware, nun bieten Sie sogar Ikone Stevie Wonder auf. Wie kam’s?

Nun, Stevie Wonder hätte schon am letzten Album mitmachen sollen, war aber viel zu spät dran. Ich traf Stevie ja schon einige Male. Das erste Mal war 1987. Er mag meine Stimme und versprach mir, einen Nummer-eins-Song für mich zu schreiben. Mir ist es egal, wo solch ein Song in den Charts landet. Die Tatsache, dass eine Größe wie Stevie Wonder ein Lied für dich komponiert, ist die größte vorstellbare Ehre in unseren Zirkeln. 2000 hing er dann für zwei Wochen in London ab, rief mich an, und wir gingen gemeinsam in Clubs und nahmen zwei Songs auf. Das war mein persönliches Stevie-Wonder-Festival.

Ihr Gesang weist eine gewisse Ähnlichkeit mit Stevie Wonders Vokalkunst auf. War er Ihr Vorbild?

Ja. Zu seinen Alben „Talking Book“ und „Songs In The Key Of Life“ sang ich wochenlang und versuchte, dabei neue Harmonien zu finden. Auf diese Weise entwickelte sich mein Stil. Auch seine Art, mit dem Synthesizer umzugehen, hat mir derart imponiert, dass ich sie zu kopieren versuchte.

Bei aller Wiedererkennbarkeit Ihres Gesangs, die Musik Ihrer Alben unterscheidet sich zuweilen fundamental. Warum?

Ich habe mich immer schon für viele Genres interessiert. Für „Best By Far“ war ich stark von Soundtracks à la Lalo Schifrin inspiriert. Derzeit höre ich unglaublich gerne Drum’n’Bass. Solche Schwerpunkte schlagen manchmal auf meine eigenen Produktionen durch. Mir ist Abwechslung auf meinen Alben sehr wichtig. Niemand soll ein Stück ­überspringen.

Wie schwer ist es eigentlich für einen britischen Soulsänger, in Amerika akzeptiert zu werden?

Eigentlich hatte ich bislang ein rechtes Glück. Zum einen, weil ich unter dem Geschmacksradar des Mainstreams operiere, zum anderen, weil viele der heutigen Größen wie Erykah Badu und Angie Stone auf mich stehen. Prinzipiell ist es beinahe unmöglich für britische Künstler, den amerikanischen Markt zu knacken. Craig David gelang dies mit seinem ersten Album, seither kämpft auch er. Die Vorstellung, dass ein schwarzer Künstler dem anderen helfen könnte, ist total unrealistisch. Es geht beinhart ums Business.

Was schätzen Sie an Rapper Common, der im Sommer sogar mit Prince auftrat?

Der Mann sprüht vor Intelligenz, hat nichts mit den Gangster-Klischees am Hut. Er kommuniziert seriöses Wissen, da liegt er ganz auf meiner Linie. Dass er mit Prince auf Tour war, wundert mich nicht. Als ich mal auf Wunsch von Common bei einer Geburtstagsfeier von Erykah Badu in Dallas auftrat, hing neben Roy Ayers auch Prince ab.

Ihr Debüt kam 1990 auf Kongo raus. Was war das für ein Label?

Mein Vater war Reggae-Session-Drummer. Er hat das Label in den 70ern gegründet, um die Musik seiner Band Jah Lion zu veröffentlichen. Schlagzeug war auch mein erstes Instrument.

Was halten Sie eigentlich von Amy Winehouse?

Sie ist eine fantastische Sängerin. Ihre Musik erinnert an die frühen ­Motown-Tage, und das lieben die Menschen immer noch. Sie ist aber auch das perfekte Beispiel dafür, dass die Industrie ihre fetten Werbeetats lieber in weiße Acts investiert. Mica Paris oder ­Terri Walker haben niemals eine solche Unterstützung gehabt.