Umfrage: Manager sind für Offenlegung der Gagen

Claus Raidl
Claus RaidlAP (Hans Punz)
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Österreichs Führungskräfte sprechen sich für eine verpflichtende Veröffentlichung ihrer Bezüge aus.

wien. Manager österreichischer Unternehmen können transparenten Strukturen bei den Vorstandsgagen viel abgewinnen: Nach einer Umfrage des Managementclubs (MC) unter seinen 4000 Mitgliedern (aus allen Managementebenen) spricht sich die überwiegende Mehrzahl der Führungskräfte dafür aus, Vorstandsgehälter detailliert zu veröffentlichen. „Damit könnte der Neiddebatte, die langsam standortschädlich wird, der Wind aus den Segeln genommen werden“, meinte MC-Generalsekretär Herbert Paierl im Gespräch mit der „Presse“.

Konkret sprachen sich in der der „Presse“ exklusiv vorliegenden Umfrage drei von vier befragten Managern (74,16 Prozent) dafür aus, dass börsenotierte Unternehmen die fixen und erfolgsabhängigen Vergütungen ihrer Vorstandsmitglieder im Geschäftsbericht „transparent“ veröffentlichen sollen. Transparent heißt, dass die Vergütungen für jedes Vorstandsmitglied getrennt ausgewiesen werden müssen.

Gesetzlicher Verhaltenskodex

Das sieht der geltende österreichische Corporate-Governance-Kodex (eine Art Wohlverhaltensregelsammlung für börsenotierte Unternehmen) ohnehin vor. Die Einhaltung dieses Kodex beruht aber auf Freiwilligkeit. Mit dem Effekt, dass viele Unternehmen den Aufwand für den gesamten Vorstand pauschal aufweisen.

Dazu interessant: Immerhin jeder zweite Manager (exakt 51,69 Prozent) meint, dass die Regeln des Corporate-Governance-Kodex rechtlich verbindlich gemacht, also gesetzlich fixiert werden sollen. Die Einhaltung des Kodex wäre dann für alle börsenotierten Unternehmen verpflichtend. Ähnlich groß wie bei börsenotierten Unternehmen ist die Zustimmung der Manager für Transparenz in staatlichen oder staatsnahen Unternehmen. Auch hier meinen neun von zehn Managern (90,46 Prozent), dass die Einkommen (sowohl fixe wie auch erfolgsabhängige Teile) verpflichtend veröffentlicht werden sollen.

„Privat soll privat bleiben“

Allerdings: „Das betrifft natürlich nur börsenotierte und öffentliche Unternehmen“, meint Paierl. „Privat soll privat bleiben“. 91,25 Prozent der Befragten sind demgemäß strikt dagegen, dass private, nicht börsenotierte Unternehmen offen legen müssen.

Die Gehaltsdiskussion hatte sich zuletzt an hohen Abfertigungen für erfolglose Manager (etwa bei der Asfinag) und an hohen „Erfolgsprämien“ für Manager von Unternehmen, die entweder Verluste schreiben (etwa die AUA) oder Milliarden von der öffentlichen Hand zum Überleben brauchen (etwa die ÖBB) entzündet. International war das Thema durch mehrstellige Millionen-Abfertigungen für erfolglose Chefs von Großbanken hoch gekocht.

In Deutschland ist sogar die staatliche Begrenzung von Managergehältern in der Privatwirtschaft in die politische Diskussion geraten. Davon halten Manager begreiflicherweise nichts: 92,84 Prozent der vom Management Club befragten Führungskräfte lehnen eine staatliche Begrenzung ihrer Gehälter ab. Was an der Beantwortung dieser Frage frappierend ist: Immerhin 5,77 Prozent sind dafür.

Losgetreten wurde die breite Debatte über die Höhe der Manager-Gehälter als die 60 Mio. Euro-Vergütung für Porsche-Chef Wendelin Wiedeking bekannt wurde. Niemand sei so viel Geld wert, lautete der Tenor in Deutschland. Paradoxerweise setzten ausgerechnet die Betriebsräte von Porsche zur Verteidigung ihres Chefs an. Die meisten Firmen wären nicht wegen teurer, sondern wegen zu billiger Konzernlenker in die Pleite geschlittert, hieß es von Seiten der Betriebsräte. Sie haben Wiedeking offenbar nicht vergessen, dass er einst mit seinem Privatvermögen für die in den 90er Jahren schwer angeschlagene Autoschmiede haftete. Im Gegenzug wurde Wiedeking eine Beteiligung am Gewinn eingeräumt, so ihm die Sanierung von Porsche gelingen sollte.

„Kultur der Mäßigung“

In Deutschland hat sich gegen Ende des Vorjahres selbst Bundespräsident Horst Köhler in die Debatte eingemischt. Er forderte von den Managern eine „Kultur der Mäßigung“, während der katholische Bischof von Trier die „dreisten Gagen“ der Spitzenmanager pauschal geißelte.

Wie in Deutschland stemmen sich auch hierzulande Manager gegen eine Veröffentlichung ihrer Gagen. Mit dem Argument, dies würde nur den ohnehin schon stark ausgeprägten Neidkomplex weiter schüren, wie etwa Raiffeisen-International-Vorstand Herbert Stepic unlängst in einem Interview mit dieser Zeitung meinte.

Nicht wirklich eine Wahl hat Erste-Bank-Chef Andreas Treichl. Sein Gehalt wird jährlich veröffentlicht, weil die Erste Bank an der Prager Börse notiert – und dort die Vergütungen der Manager weniger geheim sind als hierzulande.

Was sich nach Ansicht von Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl schleunigst ändern sollte. Eine verpflichtende Offenlegung der Gehälter würde für mehr Transparenz sorgen und die Diskussionen beenden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2008)

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