Die angeblich aufgeklärte Gesellschaft schreit immer lauter nach Bevormundung durch Papa Staat. Eine beunruhigende Entwicklung.
Wenn Österreichs Hoteliers den Staat zu Hilfe rufen, um den heftiger werdenden Streit zwischen Rauchern und Nichtrauchern mit einem generellen Rauchverbot zu schlichten, liegen sie damit voll im Trend. Statt auf Selbstverantwortung der Bürger zu setzen, wird der Ruf nach der starken Hand des Staates immer lauter. Auf Skipisten werden Radargeräte getestet, um „Raser“ zur Strecke zu bringen, und Frauen, die sich für eine Abtreibung entscheiden, sollen vorher „zwangsberaten“ werden.
Mittlerweile bitten selbst Österreichs Führungskräfte den Staat um Bevormundung: Der Gesetzgeber soll börsenotierten Firmen die Offenlegung der Managergehälter vorschreiben.
Grundsätzlich ist es höchst erfreulich, wenn eine breite Mehrheit der Führungskräfte für die Offenlegung ihrer Bezüge eintritt. Schließlich werden die Eigentümer eines Unternehmens ja noch wissen dürfen, was deren höchste Angestellte so verdienen und welche Verträge sie abgeschlossen haben (was Aktionären derzeit mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis nicht gesagt werden muss).
Nur volle Transparenz verhindert, dass die schlechte Arbeit von Managern mit hohen Abfertigungen belohnt wird. Weniger erfreulich ist, dass es nicht einmal börsenotierte Firmen schaffen, diese Fragen ohne staatlichen Zwang zu beantworten. Vermutlich, weil die Bürger dieses Landes eben ein fundamentales Problem mit Selbstverantwortung haben. Der Staat als guter Hirte einer mündigen Gesellschaft – albern eigentlich. (Bericht: S. 23)
franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2008)