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Turkmenistan: Zirkus, Tanz und Oper dürfen zurück

AP (BURHAN OZBILICI)
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Der Erbe des Diktators setzt Zeichen der Öffnung – und hält Demokratie fern.

WIEN/Aschgabat (gau). Die Hauptstadt Turkmenistans hat 770.000 Einwohner, aber kein Kino. Das soll sich ändern, verspricht der Präsident mit dem sperrigen Namen Gurbanguly Berdymymuchammedow. „Eine große Renaissance“ stehe dem verarmten Staat in Zentralasien bevor. Oper, Ballett und Zirkus lässt er großzügig wieder zu. Sein Vorgänger Nijasow, besser bekannt als Turkmenbashi oder „Führer aller Turkmenen“, hatte solche Lustbarkeiten als dem „turkmenischen Blut fremd“ vor sieben Jahren verboten.

Dessen Untertanen hatten auch sonst wenig zu lachen. Nijasow hatte die ehemalige Sowjet-Republik nach 21 Jahren an der Macht in die völlige Isolation getrieben. Vom natürlichen Reichtum des Landes – unter dem Wüstenboden verbergen sich fünf Prozent der weltweiten Erdgasreserven – profitierte nur eine kleine Elite von treuen Lakaien. Die stalinistische Diktatur aus Sowjetzeiten verband Nijasow mit einem bizarren Personenkult östlicher Prägung.

Als sein „Schatten“ Berdymuchammedow nach dem Tod des Despoten und einer wenig demokratischen Wahl vor einem Jahr an die Macht kam, versprach er die Öffnung. Westliche Investoren und Touristen wollte er anlocken, einige Internet-Cafés öffneten ihre Pforten. Doch die Opposition sitzt weiter im Exil, in Haft oder in psychiatrischen Anstalten. Auch dem Machtrausch seines Vorgängers scheint der Erbe zu erliegen. Er machte sich in Personalunion zum Präsidenten, Premier, Armeechef und Führer der Einheitspartei. Die Regierung besetzte er mit Cousin, Schwager und Jugendfreunden.

Sein neuester Coup: Die „hässlichen“ Satellitenschüsseln auf den Dächern sollen verschwinden. Das würde vielen der sechs Millionen Turkmenen ihrer wichtigsten Informationsquelle berauben. Doch dafür haben sie ja jetzt wieder den Zirkus zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2008)