Es wird weiter gehetzt

Ich bin ziemlich gut in Wahlprognosen – jedenfalls verglichen mit meinem Mann.

Das ist auch nicht besonders schwer, mein Mann liegt bei Wahlprognosen nämlich regelmäßig total daneben. Vielleicht, weil er Künstler ist und zu kompliziert denkt. Ich dagegen bin ziemlich normal (eine Behauptung, die bei meinem Mann regelmäßig Heiterkeit auslöst, die aber stimmt: Dutzende Psychotests diverser Frauenzeitschriften können sich nicht irren!).

Wie auch immer: Ich hatte wieder recht. Der FPÖ haben Frau Winters Ausfälle gegen Mohammed geschadet. 11 Prozent sind echt matt. Trotzdem können mein Mann und ich uns über das Ergebnis nicht freuen. Mein Mann kann sich nicht darüber freuen, weil er meint, bei Haider hätte das schließlich auch so angefangen: Erst sechs, dann 10, dann 16, dann 26 Prozent. Das gehe schleichend. Und ich kann mich nicht freuen, weil ich glaube, den Grund zu kennen, warum manche der potenziellen FP-Wähler diesmal ihre Stimme lieber einer anderen Partei gegeben haben. Nicht, dass sie sich am aggressiven Ton gestoßen hätten. Noch weniger haben sie sich darüber geärgert, dass die Behauptung, Mohammed sei ein Kinderschänder gewesen, nun einmal ein ahistorischer Blödsinn ist. Ich glaube auch nicht, dass die potenziellen FP-Wähler in den vergangenen Wochen plötzlich tieferes Verständnis für die religiösen Gefühle Andersgläubiger entwickelt haben. Nein, ich behaupte: Es war die Angst.

Die Angst vor den Islamisten. Die Angst, es könnte der al-Qaida hinterbracht werden. Die Angst davor, wir könnten plötzlich ins Visier der Terroristen rücken, die uns bisher übersehen haben: Schließlich geht es den Muslimen bei uns ja eh gut! Dürfen in der Schule sogar Kopftuch tragen.

In dieser Logik ist Hetze durchaus weiterhin erlaubt. Und wenn ich noch eine Prognose wagen darf: Sie wird nicht weniger werden, sondern mehr. Diese Hetze wird sich gegen Türken richten und gegen Schwarze, gegen Asylwerber und gegen „Gastarbeiter“, gegen arbeitslose Migranten und solche, die „uns“ den Job wegnehmen. Aber Mohammed, solange es sich um den Propheten handelt, den werden sie jetzt wohl in Ruhe lassen. Aus Angst.

Übrigens, das habe ich ja schon geschrieben: Ich bin für ein Kopftuchverbot an Schulen.


bettina.eibel-steiner@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2008)

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