Von nix kommt nix

Freier Eintritt in alle Museen? Vielleicht. Aber wenn, dann bitte mit ganz großer Geste.

Haben Sie an Samstagen schon einmal Schlangen vor dem MAK bemerkt? Nein? Komisch. Weil an Samstagen dort der Eintritt frei ist. Ich war dort. Und ein paar andere waren es auch. Ähnlich wie letztens in der Tate Modern in London. Nur waren es da noch ein paar mehr – über vier Millionen pro Jahr genauer gesagt.

Und das nicht nur wegen des freien Eintritts in die Schausammlung. Auch die sehr wohl zu zahlende Louise-Bourgeois-Sonderschau war voll. Obwohl man dafür um einiges mehr hinlegen musste als für einen Wiener Museumsbesuch. Trotzdem. Ich tat es irgendwie lieber. Und kaufte sogar nachher im Shop ganz brav so ungefähr alle peinlichen Gimmicks, die dort rund um Bourgeois angeboten wurden: einen rosa Kühlschrankmagneten mit „Be calm“-Spruch, ein blaues T-Shirt, das „Art is a guaranty for sanity“ sagt (wobei ich mir da gar nicht so sicher bin) – und fast wär's noch der mit „Je t'aime“ bestickte Polsterüberzug geworden. So charmant bin ich noch von keinem Museum um mein Reisebudget gebracht worden.

Aber vielleicht geht das Wien-Touristen im Mumok-Shop ähnlich, wenn sie vor dem vom Direktor designten Spiralblock stehen. Oder im MAK, vor der ebenfalls von höchster hauseigener Stelle gestalteten Gläserserie.

Kurz und gut – ich habe keine Ahnung, ob ich mir freien Eintritt in die Museen wünsche. Einerseits heißt es in Wien nicht völlig unklug: Was nix kost', is nix wert. Andererseits gibt es nichts Schöneres, als zu sehen, wie Tate oder British Museum zum öffentlichen Forum werden, wo sogar gepicknickt wird. Ich fürchte nur, dass Wiener Museen derart unprätentiös nie funktionieren werden.

Sicher aber weiß ich: Alles kann funktionieren, wenn Kulturpolitiker es mit Herz betreiben. Nur keine lauen Kompromisse. Was soll ein freier Tag pro Woche, wie ihn Ministerin Schmied andenkt, für ein Zeichen sein? Er dient höchstens politischem Kleingeld und ein paar Schnorrern. Wenn, dann bitte gleich alle ständigen Sammlungen öffnen. Ganzjährig.

Doch selbst beim Gedanken an einen einzigen freien Tag sollte Ministerin Schmied, wenn sie die Tate schon so gerne als Vorbild heranzieht, die Dankesworte nicht vergessen, die Tate-Modern-Chef Serota an die Blair-Regierung gerichtet hat: Sie habe ihm den freien Eintritt durch „ausreichend Finanzierung“ überhaupt erst ermöglicht. Denn, noch so ein nicht völlig unkluger Spruch: Von nix kommt nix.


almuth.spiegler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2008)

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