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Energie AG bekommt mehr Geld als von Börsegang

Das „Private Placement“ der Landesanteile bringt 300 Mio. Euro ein – die im Osten investiert werden.

WIEN (ku). Leopold Windtner hält es weiterhin für schade, dass aus dem Börsegang der Energie AG Oberösterreich nichts geworden ist (siehe auch oben stehenden Artikel). . „Wir können aber auch mit dem Private Placement leben“, sagte der Chef der Energie AG am Donnerstagabend vor Journalisten. Kein Wunder, denn der Verkauf des 49-Prozent-Anteils der Energie AG an die Tiwag, an Banken und Unternehmen bringt für den Energieversorger sogar einen Vorteil: „Der Mittelzufluss wird für uns höher sein als beim Börsegang“, so Windtner. Nämlich rund 300 Mio. Euro, die als „fresh money“ in das Unternehmen fließen. Aus dem Börsegang wurden zwischen 200 und 220 Mio. Euro für die Energie AG erwartet.

Windtner nannte zwei Gründe für diese „Geldvermehrung“: Zum einen seien das Mittel aus der zweiten Tranche der Mitarbeiterbeteiligung. Zum anderen handle es sich um Geld, das die Tiwag für den Einstieg bei jener Energie-AG-Tochter bezahlt, die 26 Prozent an der der Salzburg AG hält. Zudem würden stille Reserven aufgelöst.


Ökostrom aus Osteuropa

Das zusätzliche Geld soll investiert werden. Windtner nannte als „Vision“ für die Zukunft den Einstieg der Energie AG im Energiebereich in zentraleuropäischen Staaten. Derzeit ist das Unternehmen nur über die Abfall- und Wasser-Tochter AVE in Osteuropa tätig. Konkret sieht Windtner Bedarf für Investitionen in neue Kraftwerke – namentlich aus dem Bereich Erneuerbare Energie. Etwa Windkraft in der Slowakei und Ungarn. Oder Wasserkraft in Rumänien.

Der Hintergrund dieser Überlegungen ist die EU-Klimapolitik. „Die österreichische E-Wirtschaft hat akuten Handlungsbedarf“, so Windtner – der auch Präsident des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) ist. Denn es werde schwer sein, den Anteil an Erneuerbarer Energie von derzeit 23 auf 34 Prozent in Österreich auszuweiten. Die Potenziale bei Wind und Biomasse seien beschränkt, der Neubau von Wasserkraftwerken – für den Windtner plädiert – sei kaum durchsetzbar. CO2-Einsparungen durch Investitionen im Osten könnten als „Joint Implementation“ im Kyoto-Protokoll für Österreich angerechnet werden.

Es sei zwar volkswirtschaftlich gesehen schade, wenn im Ausland investiert werde. „Wenn wir in Österreich die Voraussetzungen nicht schaffen, dann fließen die Investments aber ins Ausland.“

Weniger Zukunftsmusik als die Energie-Investitionen im Osten ist die Expansion der Abfalltochter AVE: Mittlerweile stammt mehr als ein Drittel des Umsatzes von 295 Mio. Euro aus dem Ausland. Die AVE ist in Bayern, Tschechien, Ungarn, der Slowakei und der Ukraine tätig, geprüft wird ein Einstieg in Moldawien. In allen Ländern würden Gewinne gemacht, betonte AVE-Chef Helmut Burger. Jüngster Coup: Seit Jahresbeginn versorgt die AVE die tschechische Stadt Kolín mit allen „technischen Diensten“– Wasser, Wärme und Abfallentsorgung. Laut Burger ist das einzigartig in ganz Zentraleuropa. AVE ist eigener Einschätzung zufolge der größte Abfallentsorger Österreichs. Mittelfristig soll der Umsatz verdoppelt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2008)