„Bos maant a?“

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Sie seien Mantaken, behaupten die beiden Alten auf der Bank selbstbewusst. Und: Das Mantakische dürfe man keinesfalls mit dem Hopgartnerischen oder dem Potokischen ver- wechseln. Metzenseifen, Ostslowakei: Besuch in einer deutschen Sprachinsel.

Ein Ortsschild, die Landstraßeüberquert Schienen, auf denen seit Langem kein Zug mehr fährt. Abgehauste Fabriken, vor sich hin rostende Industrie. Dann ein paar heruntergekommene Wohnblöcke und schließlich die Kirche, davor ein richtiger Platz. Die Landstraße wird nun zur langen Dorfstraße, zur „Stóska“, die am frühen Abend bereits einen schläfrigen Eindruck macht. Heute ist nicht gerade viel los in Medzev, auch wenn sich bei manchem Haus ein Vorhang wie von selbst zur Seite schiebt, hier und da jemand verstohlen hinter den Gardinen hervorspäht. Eine Bewohnerin öffnet sogar das Fenster, ruft von Weitem, und es dauert eine Weile, bis sie sich damit abfindet, dass man ihre Sprache nicht versteht.

Dann, endlich, ein Krämerladen, ein Schild, „Mix Böhm“ steht drauf, jetzt geht es los, hoffentlich. Auffällig laut „Grüß Gott“ sagen, wie man es von klein auf lernt, dann wird das Eis schnell brechen und die Verkäuferin, sicherlich Frau Böhm, wird sich freuen, als wäre man der Papst. Doch die Geschäftsfrau hat schlechterdings keine Lust, sich selbst auch noch nebst ihrem einmaligen Sortiment, der Mischung aus Lebensmitteln und Eisenwaren, als Deutschsprachige nämlich zu verkaufen, und so endet der liebedienerische Versuch mit einem traurigen „Dovidenia“.

So schnell verrät hier nichts, dass der Ort einst eine blühende deutsche Stadt im ehemaligenOberungarn war. Diehieß damals noch Metzenseifen und bestand aus den Ortsteilen Unter- undObermetzenseifen sowie der kleinen Bergleutesiedlung Lucia, die alle später zu Medzev zusammengeschlossen wurden, seit 1999 aber wieder eigenständig verwaltet werden. Erstmals im Jahr 1359 urkundlich erwähnt, war Metzenseifen, am Oberlauf des Flüsschens Bodwa, zwischen Stoß und Jooß gelegen, das Zentrum eines florierenden Bergbaugebietes in der unteren Zips.


Die Geschichte der Deutschen
in der Slowakei währt nun knapp 800 Jahre lang. Nach dem Mongolensturm von 1241 hatte der ungarische König Bela IV. seine Boten nach Deutschland ausgesandt, um bayerische, schwäbische, fränkische und flämische Siedler anzuwerben. Und sie waren gekommen, um zu bleiben. Übrig geblieben sind nach den Weltkriegen und der Wende allerdings nicht viele: 5,4 Millionen Slowaken erhob die jüngste Volkszählung im Jahr 2001, 5406 davon bekannten sich zu einer deutschsprachigen Herkunft – ziemlich genau ein Tausendstel.

Sie nennen sich selbst „Karpatendeutsche“, mit einem irreführenden Begriff, der vom Czernowitzer Universitätsprofessor Raimund Friedrich Kaindl (1866 bis 1930) geprägt wurde, um die Deutschen in den österreichischen Kronländern des Karpatenraums zusammenzufassen.

Die Vergangenheit der deutschen Siedler in Metzenseifen steht mit jener des Bergbaus und der Verarbeitung der geförderten Eisenerze eng in Verbindung. Der Namensbestandteil „Seifen“, der ursprünglich ein Tal mit einem fließenden Bach meinte und später in die Bergmannssprache einging, deutet an, dass das rauschende Wasser in diesem von sanft ansteigenden Hügeln in einer Kessellage des slowakischen Erzgebirges gelegenen Ort seit alters von Bedeutung war; „Metzen“ könnte übrigens als Koseform vom Namen Mechthild abgeleitet sein.

Ein Einwanderer namens Elias Tegnagel erhielt im Jahr 1371 vom Grundherrn, dem Propst des Prämonstratenserklosters in Jooß, die Erlaubnis für den Bau von Hammerschmieden. Fünf Jahre später waren drei Hammerwerke fertiggestellt. Zur Hochblüte der Schmiedezunft, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, waren 109 Hammerschmieden mit 198 Essen in Betrieb. Metzenseifen hatte sogar den „Weltprimat“ inne, verzeichnete es doch die weltweit höchste Konzentration an Hammerschmieden. Das Angebot wurde durchaus nach den Bedürfnissen des Marktes erstellt: Wiewohl man an sich auf die Herstellung von landwirtschaftlichem Gerät wie Schaufeln, Hauen, Spaten, Krampen oder Beilen spezialisiert war, produzierte man etwa für die Hussiten, die die Region längere Zeit besetzt hielten, Speere.

Mit der Obrigkeit, den Prämonstratensern in Jooß, gab es immer Konflikte, die sogar am Wiener Hof geschlichtet werden mussten. Gerne berichten die Metzenseifner folgende Anekdote: Nachdem in Wien in einer Sache zugunsten der Metzenseifner entschieden worden war, wollte man sich bei Kaiserin Maria Theresia bedanken. Zu diesem Zweck wurde eine Abordnung Metzenseifner Männer nach Wien entsandt, die sich mit Gaben für die Sprösslinge der Kaiserin – Hauen und Schäufelchen in Spielzeugform – erkenntlich zeigen sollte. Die Männer wurden bei Hof empfangen und bewirtet, wobei sie in den Genuss eines wohlschmeckenden, schwarzen Getränkskamen, das ihnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt war, nämlich Kaffee.

Mit einigen Säcken grüner Bohnen, die sie als Geschenk erhalten hatten, machten sich die Metzenseifner wieder auf den Weg nach Hause. Dort wollten sie der Stadtverwaltung imponieren und richteten zu diesem Behuf ein Fest aus, bei dem Kaffee kredenzt werden sollte. Die grünen, teilweise wohl sauer und faulig gewordenen Bohnen wollten aber im heißen Wasser ihr bekanntes Aroma nicht zur Entfaltung bringen, und so wurde die Veranstaltung ein Flop, und den Unglücksraben wurde nur Spott und Hohn zuteil. Doch das Märchen fand trotzdem ein glückliches Ende: Die Frauen ließen die Schmach nicht auf sich beruhen, eilten in die Hauptstadt der Donaumonarchie, erlernten die hohen Künste des Röstens und Siedens von Kaffee, kehrten zurück und stellten die Ehre ihrer Männer triumphal wieder her.


Die Schmiedezunft erlebte ein ständiges Auf und Ab. Besonders prekär wurde die Lage gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung einsetzte und sich die wirtschaftliche Lage dramatisch verschlechterte. Zwischen 1873 und 1914 wanderten mindestens 1500 Metzenseifner aus, manche in andere Gebiete der österreichisch-ungarischen Monarchie, viele aber nachAmerika. Die meisten von ihnen ließen sich in Cleveland, Ohio, nieder, wo sie etwa beim ebenfalls aus Metzenseifen ausgewanderten Holzunternehmer und Finanzier Theodor Kundtz (1852 bis 1937) anheuerten, andere gingen nach Pittsburgh, Pennsylvania.


Von der Untermetzenseifner
Dorfstraße zweigt eine Straße ab, die hinauf in das kleinere Obermetzenseifen führt. Bald kommt man zu neu errichteten Wohnblöcken, wo Kinder ausgelassen miteinander spielen. Zwei betagte Männer, die auf der alten Bank wie unzertrennlich wirken, beobachten das Treiben auf dem Spielplatz und scheinen sich über die alten Zeiten zu unterhalten. Ein paar Wörter klingen vertraut, doch dem Gespräch der beiden vermag man nicht zu folgen. „Haben Sie wirklich etwas verstanden?“ fragt einer der Herren beinahe bestürzt, als habe man eine Geheimsprache entschlüsselt. „Wir sprechen hier Mantakisch, nicht Deutsch“, ergänzt sein Nachbar pathetisch.

Sie seien Mantaken, behaupten die beiden selbstbewusst, als wäre es die größte Selbstverständlichkeit auf Erden, aus einer Mundart seine Identität zu schöpfen. Das Mantakische, das in Metzenseifen am reinsten erhalten geblieben sei, dürfe man keinesfalls mit anderen Mundarten wie dem Hopgartnerischen oder dem Potokischen verwechseln, die andernorts, in der oberen Zips nämlich, gesprochen würden.

Die Legende, wie man zu dieser Bezeichnung kam, wird in Metzenseifen gern erzählt, allerdings nicht als solche, sondern als unzweifelhafte Wahrheit: Wenn die Hammerwerke in den Wintermonaten zum Erliegen kamen, begaben sich die alten Schmiede mit ihren Söhnen auf die Landmärkte Ungarns, um dort ihre Waren feilzubieten. Durch den ständigen ohrenbetäubenden Lärm der Hammerschläge hatten die Alten ihr Gehör nahezu gänzlich verloren, und so sollen sie, wenn sie beim Handeln etwas nicht verstanden, jene Frage gestellt haben, der sie ihren Namen verdanken wollen: „Bos maant a?“

Für die ungarischen Kunden seien die Schmiede dann bald die „Mantak“ gewesen, und diese hätten sich die Fremdbezeichnung schließlich zu eigen gemacht. Die von den Mantaken stets launig dargebrachte Geschichte wird felsenfest geglaubt, auch wenn das ungarische „mondtak“, gleichbedeutend mit „sie sagten“, genauso gut zur Erklärung der Bezeichnung herhaltenkönnte – wie die Ableitung von der möglichen Selbstbezeichnung der Bergleute als „Montanaken“.

Stolz sind sie auf ihre mittelalterliche Mundart, die sie, abgeschottet von allen Einflüssen und Moden der Sprache, in ihrer archaischen Form erhalten konnten. Ins Mantakische haben freilich einige Wörter aus dem Slowakischen, mehr aber noch aus dem Ungarischen Eingang gefunden. Besonders Dinge, die neu eingeführt wurden, für die man keinen deutschen Begriff kannte – wie etwa für den Kürbis, den man mit den Ungarn als „Tök“ bezeichnet.

Auf dem örtlichen Friedhof findet man deutsche, ungarische und slowakische Grabinschriften; deutsche Vornamen verbinden sich mit ungarischen Familiennamen und umgekehrt, auf den Grabmälern ist der Ungarn-Patriotismus der Mantaken als steinerne Erinnerung eingemeißelt. Häufig sind die Namen Gedeon oder Orient, ebenso Eiben, Schmotzer oder Stark. Auf den Grabsteinen fehlt bisweilen nur noch das genaue Sterbejahr der Frau, der Witwe also, „20“ steht schon prophetisch da. Der eine oder andere Friedhofsgänger gießt am Grab die Blumen, rupft Unkraut oder spricht ein kurzes Gebet. Derweil turnen Romakinder auf den Grabplatten, ein Mädchen versucht, die Inschriften an den Gräbern zu entziffern, tut sich jedoch schwer mit den komplizierten Namen.

Als es mit den noch immerrund 50 Hammerwerken in den 1960er-Jahren den Bach hinunterging, war es auch um die alte Kulturtradition nicht mehr gut bestellt: Jetzt landete man endgültig auf dem Abstellgleis der Geschichte. Die Alten versuchen – zumindest für sich selbst –, die mantakischen Traditionen hochzuhalten, von der Jugend werden indes die Bräuche und die Sprache immer weniger gepflegt, sodass alles verschwimmt. „Wir sind hier schon eine gemischte Ware“, sagt einer der Alten, einer aus dem Clan der Gedeons. Er spreche auch Slowakisch und so viel Ungarisch, dass man ihn nicht verschaukeln könne, die „Magyaronen“ seien schließlich Schlitzohren.


Just in Metzenseifen wurde im Herbst 1990 der „Karpatendeutsche Verein in der Slowakei“ gegründet. Der Verein vertritt die Interessen jener Bürger, die sich zu dieser Minderheit bekennen, kämpft gegen ihre Diskriminierung, versucht, die Geschichte, Kultur und Sprache vor allem auch durch die Abhaltung von Sprachkursen hochzuhalten. Die Ortsgruppe des „Karpatendeutschen Vereins“ in Metzenseifen verfügt sogar über eine eigene Immobilie, das „Haus der Begegnung“. Darin ist eine kleine Bibliothek untergebracht, können Veranstaltungen abgehaltenund Feste gefeiert werden. Walter Bistika,Vorstandsmitglied inder Ortsgruppe und kenntnisreicher Ortschronist, führt interessierte Besucher durch das Haus. Sieben Stunden Deutschunterricht in der Grundschulehabe man zwar durchsetzen können, die Qualität des Unterrichts, der durch slowakische Kräfte erfolge, sei aber leider schlecht. Ein breiter Graben trenne die Generationen, von der Jugend sei keine Initiative zu erwarten, obwohl die deutsche Sprache für sie doch eine Chance bedeuten könne. Aber auch die Alten seien nicht mehr leicht zu motivieren, blieben Festen fern und beteiligten sich kaum am geselligen Leben.

Für den Gesangsverein, dem er vorsteht, hat Walter Bistika ein Durchschnittsalter von 66 Jahren errechnet. „Der vierstimmige Gesang ist in den vergangenen Jahren zweistimmig geworden, wir terzen eben ein bisschen herum“, sagt er schmunzelnd. Zwischendurch sucht der Mann nach ein paar mantakischen Begriffen, und es fallen ihm auch welche ein: „Tschüschanrömpel“ bezeichne das Gefäß, das flüstert, also „natürlich Flieder“, der „Herrgottsrüssel“ sei der Marienkäfer und das „Grütztöppachen“ das Maiglöckchen.

Ein großes Problem in Metzenseifen und in der Ostslowakei im Allgemeinen sei die hohe Arbeitslosigkeit. Für dieMänner sei es kaumnoch möglich, Arbeit zu finden, weshalb sich allein aus seinem Heimatort 160 Frauen als Pflegerinnen in Österreich verdingen müssten, zwei Wochen dort, zwei Wochen daheim – mit 650 Euro könne man die Familie schon durchbringen.

Einen weiteren Missstand ortet Bistika im Zuzug der Roma. Sie bleiben unter sich, in Plattenbauruinen, die weder Türen noch Türstöcke haben. Das Leben spielt sich ohnedies vor diesen tristen Wohnstätten, im Schatten der verfallenden Klosteranlage, ab: Männer, Frauen und Scharen von Kindern, für die die vorbeiführende Landstraße längst ein Spielplatz geworden ist, scheinen die Zeit bis zur Dämmerung totzuschlagen, die einen Schleier legen wird über ihre Existenz außerhalb einer Gesellschaft, die sie ächtet und diskriminiert. Die größte ghettoartige Roma-Siedlung des Landes, am Stadtrand des etwa 30 Kilometer östlich gelegenen Kosice, beherbergt 5000 entwurzelte Roma vieler Clans.


Vor der Kirche werben
heute Leute von Greenpeace um Unterstützung, darunter Amerikaner und Franzosen, weil die kanadische Firma Tournigan Gold in Jahodná den Abbau von Uran plant. Den Hauch von Welt, den die Umweltschützer in diesen abgeschiedenen Winkel bringen, hatte davor auch einer aus den eigenen Reihen versprüht: Rudolf Schuster, der aus einer karpatendeutschen Familie stammt, war erster Mann seines Landes, nachdem er als studierter Ingenieur eine steile Karriere hingelegt hatte. Nach dem Aufstieg zum Manager der „Ostslowakischen Eisenwerke“ war Schuster in die Politik gewechselt, Primator, alsoOberbürgermeister vonKosice, dann Botschafter in Kanada undschließlich Präsidentgeworden, der in Medzev auch Staatsgäste empfing. Heute komme er kaum mehr in seine Heimatstadt, obwohl er sich hier im elterlichen Anwesen, gleich neben dem „Haus der Begegnung“, nicht ganz uneitel, ein Privatmuseum mit Bildern aus dem Oval Office und anderen Erinnerungsstücken eingerichtet habe.

„Der krebst lieber irgendwo am Nordpol herum oder hält sich in Kosice auf; wenn er kommt, dann um Gästen sein Museum zu zeigen“, bemerkt ein Alteingesessener süffisant. Schuster sei es aber zu verdanken, dass im Dombachtal, wo einst ein wahres Hammerorchester musiziert haben muss, noch ein Werk erhalten werden konnte. Dieses wird gelegentlich zu Schauzwecken in Betrieb gesetzt, während jenes an der Hauptstraße, übrigens im Besitz des „Technischen Museums“ von Kosice, langsam verfällt.


Der letzte Schmied,
Jan Bröstl im Goldseifental, ist ein ernster Mann, und er hat auch allen Grund dazu. Sein Vater, der ihn nach der Wende überredet hatte, bei ihm einzusteigen, ein kleines, wettbewerbsfähiges Schmiedeunternehmen zu versuchen, ist erst vor wenigen Monaten bei einem Arbeitsunfall im Werk ums Leben gekommen. Bröstl erzeugt aus alten Schrauben von Eisenbahnschienen und allerhand anderem Schrott Kunstschmiedeprodukte, etwa Briefbeschwerer oder Kerzenständer. Das Geschäft laufe nicht schlecht, er bekomme viele Aufträge und dürfe sich nicht beklagen. Gegenüber der Europäischen Union, von der er sich Förderungen erhofft hatte, ist er skeptisch: „Das Geld geht nach Pressburg und versickert dort.“

Es ist elf Uhr, und der Schmied hat schon um zehn Uhr zu Mittag gegessen, jetzt gibt es gleich Kaffee. Die Arbeit beginne gewöhnlich um sechs Uhr früh, abends um sechs sei Schluss. Sein Sohn gehe ihm in den Ferien zur Hand, doch er wolle lieber Slowakisch sprechen, die Sprache seiner Mutter und seiner Freunde. Aus der Niedergeschlagenheit, mit der er die folgenden Worte spricht, ist die Schwermut zu erahnen, die die letzten Mantaken beinahe erdrückt: „Mir fehlt es so sehr, dass ich im Alltag nicht mehr mantakisch rede wie mit dem Vater.“

Die kulturellen Unterschiede zwischen Metzenseifen und anderen Siedlungen der Karpatendeutschen mögen für den Fremden klein sein – für die Mantaken sind sie von großer Bedeutung. Die Alten haben auch den rhythmischen Klang der Hammerschläge und den Widerhall, den sie wie eine Musik zu empfinden scheinen, noch in den Ohren. Nostalgie befällt sie, wenn sie in dieser trübseligen Welt von früher träumen, wenn sie ein Loblied auf ihre Altvorderen singen, deren Erbe die Zeit nicht überdauern kann.

Die jungen Nachfahren der deutschen Kolonisten wollen die längst in Scherben liegende Hinterlassenschaft der Ahnen nicht mehr verwalten, und so ist es für die alten Mantaken ein gemeinsames Einsiedeln, ein Leben mit den Werten der Vergangenheit in einer dafür nicht mehr geeigneten Zeit. Mantakistan wird wohl bald für immer untergehen. ■

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2008)