Religion. Gebürtiger Pakistani gewann Pilgerfahrt nach Mekka.
WIEN.„Was sollte ein Muslim tun, wenn er an einer Muslima vorbeigeht?“ a) Seinen Blick senken, b) Sie auf einen Kaffee einladen, c) Sie ansprechen oder d) Sie heiraten? Gute Frage. Aber mit Blick auf die Vorschriften des Islam leicht zu lösen (Antwort a). Und bei einem Islam-Quiz à la Millionenshow gerade einmal eine Einstiegsfrage.
Ein Bild des Islam abseits von Terror und Gewalt zu zeichnen war das ehrgeizige Ziel, mit dem die erste islamische Quiz-Show Österreichs am Samstag im Wiener Odeon antrat. Auf spielerische Art wollten die Veranstalterinnen von „The green Road to Allah“, zwei Wiener Studentinnen, Wissen über den Islam vermitteln.
Als Vorbild musste die Millionenshow herhalten. Ein Quotenschlager, den man vom Publikumsinteresse her natürlich nicht toppen konnte. Etwa 150 Gäste, zum Großteil muslimische Frauen und Mädchen, waren der Einladung gefolgt. Statt Armin Assinger machte Faris Rahoma, halb-ägyptischer, halb-steirischer ORF-Mitarbeiter, den Moderator. Fünf Kandidaten waren im Vorfeld ermittelt worden, statt Millionen gab es eine Umrah, eine Pilgerfahrt nach Mekka, zu gewinnen.
Im Verlauf des Spiels wurde aber klar: An den im TV zusammenkomprimierten Ablauf der Millionenshow kam die Inszenierung nicht heran. Blickte ein Kandidat fragend auf den Bildschirm, kehrten eben zwei Minuten Stille ein.
Immerhin, Unterhaltungswert hatten manche Fragen – oder die Antwortvorschläge: „Was muss ein Muslim machen, bevor er zum Gebet geht? – a) Sich waschen, b) Tief Luft holen, c) Etwas essen, d) Etwas trinken. (Es ist das Waschen, natürlich.) Doch mit steigendem Schwierigkeitsgrad entfernten sich die Fragen zunehmend von Fragen des Alltags, hin zu immer detaillierterem Wissen über einzelne Suren. Das mag dem Bestreben, den Koran auswendig rezitieren zu können, dienen, selbst für wohlwollende Nichtmuslime endete hier aber der Versuch der Empathie.
Detailverliebtheit statt Erkenntnis
Beispielhaft etwa die Fragestellung: „Ein Dirham Zinsen, den man wissentlich nimmt, ist schlimmer als wie viele unzüchtige Handlungen“ – a) 7, b) 21, c) 36 oder gar d) 100? Dass dieser Satz die Grundlage des islamischen Bankenwesens darstellt, ging angesichts solcher Details unter – wie auch der Erkenntnisgewinn. Der Vollständigkeit halber, die richtige Antwort lautet c.
In manchen Fragestellungen lenkten die Organisatorinnen – unwissentlich – den Blick auf ein Problem, mit dem der Islam heute zu kämpfen hat – die Auslegung der Schriften. Zwar hatte man sich bemüht, strittige Fragen zu vermeiden, doch auch bei scheinbar klaren Fragestellungen gibt es mehrere Interpretationen. Symptomatisch war dies bei der Frage, die Kandidat Umer Hussain vom Hauptpreis trennte. „Wie viele Suren im Koran sind nach einem Tier benannt?“ Fünf, so die Antwort, die der gebürtige Pakistani nach Rezitieren des Koran vor seinem geistigen Auge gab. Falsch, es waren sechs.
Doch als Hussain die Liste der richtigen Suren verlesen sollte, merkte er an: „Das Vieh (Name der sechsten Sure, Anm.) ist kein Tier.“ Danach Raunen und Grummeln, ein ratloser Moderator und ein Kandidat, der auf der Richtigkeit seiner Antwort beharrte. Die pragmatische Lösung – in wenigen Minuten sollte die Veranstaltung enden – kam per „Daumen hoch“. Er darf nach Mekka.
Erkenntnisse aus dem Quiz? Auch über scheinbar simple Fragen können sich die Geister scheiden. Und: Beim fieberhaften Stöbern nach Details sollte vor allem eines nicht verloren gehen – der Blick auf das Ganze, auf den Sinn, der dahinter steckt. Ein Hinweis, den Carla-Amina Baghajati, Sprecherin der Glaubensgemeinschaft, schon bei ihrer Einleitungsrede angedeutet hatte: „Das Spiel soll auch ein Impuls zum Nachfragen sein, ein Anreiz, sich mit den Quellen zu beschäftigen.“
GREEN ROAD TO ALLAH
Das erste Islam-Quiz Österreichs fand am Samstag im Wiener Odeon statt. Ein in Pakistan geborener Wiener Student gewann den Hauptpreis, eine Pilgerfahrt nach Mekka.
Fortsetzung: Die Organisatorinnen hoffen auf eine weitere Auflage. Auch ein Brettspiel ist in Planung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2008)