Europas Problem liegt weniger in der stark steigenden Teuerung. Vielmehr in der stark zitternden Hand der Europäischen Zentralbank.
Zugegeben, die Lage der Europäischen Zentralbank könnte eine angenehmere sein: Die Preise galoppieren davon, gleichzeitig scheint der freudig erwartete Aufschwung schneller vorbei zu sein, als er gekommen ist. In dieser verzwickten Phase die Zinsen so festzusetzen, dass weder die Teuerung weiter angeheizt noch die Wirtschaft abgewürgt wird, ist definitiv eine Kunst. Aber genau dafür hätten wir ja gut bezahlte Zentralbanker in Frankfurt sitzen.
Von diesen ist seit Wochen leider nur ein und derselbe Stehsatz zu hören: An den Zinsen ist nicht zu rütteln, weil sich die Wirtschaft in bester Verfassung präsentiert und die Teuerung massiv gestiegen ist. Ohne den Damen und Herren Notenbankern zu nahe treten zu wollen, wäre freilich anzumerken, dass Europas Wirtschaft zwar nicht am Rande des Abgrunds steht, von „bester Verfassung“ aber nur unter Zuhilfenahme von Stimmungsaufhellern zu reden ist. Zudem deutet vieles darauf hin, dass sich der Teuerungsschub heuer deutlich einbremsen wird.
Auch in den 30er-Jahren starrten die Notenbanker gebannt auf die steigenden Preise und versuchten, diese mit hohen Zinsen in den Griff zu kriegen. Am Ende hatten sie beides: eine Hyperinflation samt Weltwirtschaftskrise. Die US-Notenbank Fed hat ihre Lektion gelernt, indem sie ihre Politik längst darauf abstellt, der Wirtschaft ausreichend günstiges Geld zur Verfügung zu stellen.
Die EZB sollte es ihr gleichtun – vor allem, um eine weitere Aufwertung des Euro zu bremsen. (Bericht: Seite 1)
franz.schellhorn@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2008)