Snow-Kajak-WM: Mit dem Paddelboot über die Skipiste

(c) Martin Lugger
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Zugegeben, das ist eine Sache für Freaks. Aber selbst Wildwasserfahrer sind begeistert und machen mit.

LIENZ. Schnee ist ja auch (fast) nichts anderes als Wasser. Warum also nicht mit dem Kajak statt Wildwasser eine wilde Skipiste hinunterrasen? Die kuriose Idee entstand 2003 bei der Weihnachtsfeier des Osttiroler Kajak-Clubs, Freitag und Samstag wird in Lienz die Weltmeisterschaft im Snow-Kajak ausgetragen.

Die Bedingungen sind spektakulär und brutal zugleich: Der 700 Meter lange Parcours, in den jeweils vier Paddler gleichzeitig starten, ist mit acht Steilkurven gespickt und vier Sprüngen. „Da fliegen die Kajaks schon fünf, sechs Meter dahin“, sagt Veranstalter Niki Grissmann, Sohn der Abfahrtslegende Werner „Grizzly“ Grissmann. Satte Sprünge also, rasen die Fahrer doch mit gut 45km/h auf die Schanzen zu. Um dieses Tempo zu erreichen, lassen die Profis kein Mätzchen aus: Die Boote werden geschliffen und gewachst, um den Unterboden so glatt wie möglich zu machen. Der Geschwindigkeitsrekord liegt sogar jenseits der 60km/h.

Kein ganz ungefährlicher Spaß also. Deswegen sind Helm und Oberkörperprotektoren, etwa eine Schwimmweste für die Starter, Pflicht – auch wenn Eskimorollen nicht gefragt sind. Und, fügt Grissmann an, „ein Sitzpölsterchen als Schutz für das Steißbein ist sehr zu empfehlen. Auch wenn der Luftstand bei den Sprüngen nicht übermäßig hoch ist.“

Olympia-Aspirant am Start

160 Teilnehmer aus zwölf Nationen haben sich angesagt, darunter Snowboard-Weltmeister Sigi Grabner und auch ein Kajak-Spezialist: Harald Hudetz, der sich derzeit intensiv auf den Olympia-Countdown vorbereitet. Österreich hat nur einen Startplatz fix, also kämpft der 29-Jährige wie Helmut Oblinger und Herwig Natmessnig um das begehrte Ticket für Peking – allerdings im Wildwasser-Kajak.

Hudetz, der seinen zweimonatigen Trainingsaufenthalt mit einem Praktikum, das er für seine Physiotherapeutenausbildung benötigt, verband, hat in der Vergangenheit schon mit dem Snow-Kajak Erfahrungen gesammelt. „Am Wasser“, sagt er, „kannst du das Boot viel leichter steuern, und es ist bei weitem nicht so gefährlich.“ Bremsen sei beinahe unmöglich: Das Paddel sei dafür überhaupt nicht zu gebrauchen. Zudem müsse man ständig die Konkurrenten im Auge behalten. Dennoch: Der Spaßfaktor sei garantiert.

Woher aber kommen die Favoriten? „Aus Österreich“, sagt Grissmann. Aber auch aus Holland. Erstaunlich? „Keineswegs. In der Skihalle in Landgraaf gibt es einen eigenen Bereich für Snow-Kajaks.“ Und dort wird wie wild trainiert...

www.snowkajak.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2008)

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