Ein neues Spiel am Opernball

(c) APA (Hans Klaus Techt)
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Ein Fußballspiel am Opernball? Frauen gegen Männer? Echte Stars und Startenöre? Einiges ist anders.

Der Opernball ist, was er ist. Auch in seinem 52. Jahr. Kann denn da noch etwas Neues kommen? Es kann.

Das beginnt mit einem echten Überraschungsgast, der erst fünf Stunden vor dem Ball und nicht Wochen davor bekannt gegeben wurde: „Desperate Housewives“-Darstellerin Teri Hatcher, die als privater Gast des österreichischen Unternehmens Superfund nach Wien kommt. Ein Hauch Hollywood für Wien also. Gut, dass Neo-Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh rechtzeitig dafür gesorgt hat, den prominenten Gästen einen würdigen Empfang zu bereiten. Mit dem überdimensionalen Entrée vor dem Opernhaus von Architekt Michael Manzenreiter. Unter dem roten Baldachin befindet sich ein 450m großer roter Teppich, der zwar mehr breit als lang ist. Teri Hatcher, Franz Beckenbauer, Dita von Teese und die heimische (Polit-)Prominenz fühlen sich dort trotzdem wohler als auf der stets heillos überfüllten Hauptstiege.

Auch die Eröffnung bietet eine Novität: Es wird gespielt. Fußball in der Oper. Die Europameisterschaft lässt grüßen. 22 Tänzer des Staatsopernballetts geben mit deutlicher Ironie eine getanzte Fußballpartie wieder. Sie „spielen“ in Adidas-Fußballdressen, die mit Swarovski-Steinen „beflockt“ wurden, wie es EM-Koordinator Heinz Palme nannte. Das sorgt für Glanz und Glamour, den sich Treichl-Stürgkh (Holender nennt sie „meine jugendliche Organisatorin“) und Eva Dintsis, Generalsekretärin des Balls, so wünschten. Trotz Fußball. Obwohl Staatsoperndirektor Ioan Holender die Frage einer TV-Journalistin korrigierte: Der Opernball stehe heuer „nicht ganz“, sondern bloß „auch“ im Zeichen des Fußballs.

2:1 für die Frauenmannschaft

Die ungewöhnlichste Balletteinlage aller Opernbälle ist tatsächlich auch für echte Fußballfans neu: Auf dem ausgerollten Plastik-Feld treten Frauen gegen Männer an – mit einem imaginären Ball. Zur Halbzeit springt im Damenteam ein Mann für eine verletzte Spielerin ein, der dann prompt das erste Tor für sie schießt. Endstand: 2:1 für die Frauen. Unterlegt wird das mit der musikalischen Auftragsarbeit „Am Ball“ des deutschen Komponisten Moritz Eggert. Worauf Holender stolz ist, immerhin würde somit erstmals zeitgenössische Musik bei einer Opernball-Eröffnung gespielt werden. „Das ist die künstlerische Zusammenführung von Fußball und Ballett“, sagt Ioan Holender. Wieder etwas Neues also.

Das trifft auf José Carreras nicht ganz so zu, der als „ein Lebensfreund von Holender“ schon zum zweiten Mal (nach 1989) bei einer Eröffnung singt. Nicht vom Fußball, sondern von der Liebe.

Selbst das Jungdamen- und Jungherren-Komitee tanzt heuer anders – einen offenen Walzer. Das sei höfischer, meint Tanzschulleiter Thomas Schäfer-Elmayer, und auch anspruchsvoller. Nur die Fächerpolonaise, die die vor Aufregung rotbäckigen Herren und Damen beim Einzug begleitet, die bleibt auch heuer gleich.
Teri Hatcher im „Sucher“: Seite 39

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2008)

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