Anders als bei Künstlern scheint der Österreicher bei Museumsdirektoren wenig Genierer zu haben, sich eine schnelle Meinung zu bilden, die bis tief ins Privatleben reichen kann.
Dem Künstler jedoch, auch dem schlechtesten, werden von Steuergeld bezahlte Stipendien, Ateliers, Auslandsaufenthalte, aber auch Eitelkeiten, Marotten, Intrigen großherzig verziehen. Unfair ist das.
Deshalb hier eine kleine Liebeserklärung an den „Skarabäen-Willy“, die „adelige Society-Tussi“, den „gelackten Machtmenschen“, die „eiskalte Blonde“, den „cholerischen Wüterich“, und wie sie alle sonst noch so despektierlich geschimpft werden. Ich finde, die amtierenden Direktoren leisten alle im Grunde Großartiges. Sie haben radikal entstaubt und geöffnet, was zuvor bürokratisch und elitär verwaltet wurde.
Was Schröder – trotz aller Kritik – allein für die bauliche Erhaltung der Albertina geleistet hat, ist unvergleichlich. Um Millionen Sponsorgelder stattet er etwa die restaurierten Prunksäle wieder mit (teils) originalen Möbeln aus. Zuvor sind die Raumfluchten einfach vergammelt. Ob jetzt hier eine Wand fehlt, dort ein Marmor zu stark glänzt, wie getuschelt wird – so what? Man kann froh sein, dass das Palais unter seinen Vorgängern nicht schon längst abgebrannt ist, wenn man sich die schockierenden Fotos unbemerkter Brandherde zeigen lässt.
Und Agnes Husslein schaffte es, fürs Belvedere ein System zu finden, das sowohl Klimt-Touristen als auch reguläre Ausstellungsbesucher voll auf ihre Rechnung kommen lässt. Wer es so locker verkraften konnte, dass früher über Jahre hinweg vom Personal auf dem Dachboden des Oberen Belvedere geraucht wurde, der wird doch jetzt wohl auch verkraften können, wenn eine barocke Sammlung ein paar 100 Meter weiter zu sehen ist.
So könnte man noch Bücher füllen mit den unbedankten Meriten der Direktoren, die heute nicht mehr „reine“ Wissenschaftler sein müssen. Nein, sie müssen nächtliche Wissenschaftler, schlecht bezahlte Topmanager, stressresistente, polyglotte, fotogene, schlagfertige Werbefiguren ihrer Häuser sein. Nur, damit das auch einmal gesagt ist: Danke.
almuth.spiegler@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2008)