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Euro 2012: Die Uefa duldet kein politisches „Faul“-Spiel

(c) AP (NIKOLA SOLIC)
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Präsident Michel Platini platzte der Kragen: Die Co-Veranstalter von 2012, Polen und Ukraine, mögen tunlichst zu Taten schreiten.

WARSCHAU. Die Gastgeber haben Böses geahnt. In den vergangenen Wochen überschlugen sich die Organisatoren der Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine geradezu mit der Vorstellung neuer Projekte. Doch es half nichts: Michel Platini, Präsident der Uefa, platzte der Kragen. Tempo und Qualität der Vorbereitungen auf das Turnier müssten verbessert werden, schimpfte er beim Uefa-Kongress in Zagreb. Die Co-Veranstalter sollten aufhören, vollmundig Pläne zu schmieden und endlich zu Taten schreiten. Nach Platinis Ansicht stehe „die Glaubwürdigkeit des EM-Projektes auf dem Spiel“.

Fast hatte es den Anschein, als ob es Europas Fußballverband bereut hätte, das Turnier an diese Kandidaten vergeben zu haben. Das grundsätzliche Problem wurde damals einfach ausgeblendet: Es sollen zwei Staaten zusammenarbeiten, die im Grunde kaum etwas gemeinsam haben – nicht einmal das Alphabet.



„Die Glaubwürdigkeit des EM-Projektes steht auf

dem Spiel.“

Uefa-Präsident Michel Platini

Vor allem ist der Zustand der Infrastruktur in beiden Ländern katastrophal. Es gibt zu wenige Hotels, marode Stadien und das Straßennetz ist ungeeignet, um dem Ansturm der Fans standzuhalten. Michal Listkiewicz, Vorsitzender des polnischen Fußballverbandes, suchte erst gar nicht nach Ausreden. „Es ist wahr, dass wir mit einigen Projekten zeitlich hinterherhinken, aber wir sind zuversichtlich, bald wieder im Zeitplan zu sein.“ Der polnische Sportminister Miroslaw Drzewiecki wiederum will die Kritik nicht auf sich sitzen lassen. Der Sündenbock sei die Vorgängerregierung, sie habe sich nur durch Tatenlosigkeit ausgezeichnet. Der neue Premierminister und Hobbyfußballer Donald Tusk hingegen hat die EM-Vorbereitungen nun zu einem zentralen Punkt seiner Regierungsarbeit gemacht.


Ein erster Warnschuss

Die neue Regierung der Ukraine hat zugesagt, aus dem Haushalt 2008 zusätzlich 150 Millionen Euro in den Ausbau der Infrastruktur zu stecken. Das versprach zumindest Präsident Viktor Juschtschenko. Auf die Ukraine ist Michel Platini allerdings schlecht zu sprechen. In Kiew wurde zwar mit der Modernisierung des Olympiastadions begonnen, allerdings fundamentale Sicherheitsregeln missachtet. Der größte Fauxpas dabei: direkt vor dem Haupteingang des Stadions wurde ein riesiges Einkaufszentrum gebaut, das unter anderem die Fluchtwege versperrt.

Die Kritik an der Planung pralle allerdings an den Verantwortlichen in der Ukraine ab. Die Herren wurden nun eines Besseren belehrt. Michel Platinis Botschaft an die beiden EM-Ausrichter ist zwar versöhnlich formuliert, aber dennoch deutlich: Beim nächsten Foul zückt er die rote Karte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2008)