Schweizer Großbanken drohen neue Milliarden-Abschreibungen.
Wien (red./ag). Eine Reihe von neuen Katastrophenmeldungen aus dem Finanzbereich hat den Effekt der jüngsten US-Zinssenkungen an den Börsen gleich wieder verpuffen lassen und besonders die Kurse von Bankaktien weltweit in den Keller geschickt. Die wichtigsten: Den Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse drohen nach Ansicht der Eidgenössischen Bankenkommission weitere Milliarden-Abschreibungen. Und zwar nicht nur aus US-Subprimes, sondern auch aus Kreditkarten, Kleinkrediten und Gewerbekrediten.
UBS hatte gerade erst am Mittwoch Gesamtabschreibungen über 18,4 Mrd. Dollar für das Jahr 2007 gemeldet. Die Aktien der beiden Institute brachen daraufhin ein, jene der UBS mit bis zu neun Prozent besonders stark.
Kräftig unter Druck geriet auch die Aktie der Deutschen Bank, nachdem Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung aufgetaucht waren. Der Deutschland-Chef der Bank, Jürgen Fitschen, hatte die Finanzwelt erst kürzlich mit der Feststellung alarmiert, das noch „mehr schlechte Nachrichten aus der Finanzbranche“ kommen könnten und „die ganze Wahrheit noch nicht auf dem Tisch“ liege.
Schlechte Nachrichten kommen auch aus Japan: Dort hat der Broker Nomura, das größte Wertpapier-Handelshaus des Landes, für das dritte Quartal einen Gewinneinbruch um 71 Prozent gemeldet. Für das Gesamtjahr dürfte der Gewinn um 17 Prozent schrumpfen.
Die Krise macht sich nun auch auf den Gehaltskonten von Top-Bankern bemerkbar: Merrill Lynchzahlt einer Reihe seiner Top-Banker für 2007 keine Boni aus. Nur drei Spitzenmanager des Instituts erhalten Aktienoptionen. Die US-Bank hatte sich massiv verspekuliert und allein im vergangenen Halbjahr mehr als zwölf Mrd. Dollar Verlust gebaut.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2008)