Bawag-Prozess: Frage nach dem Verbleib des Geldes

Reuters (Herbert Neubauer)
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Eine "Verschwörungstheorie", nämlich dass Flöttl das Geld der Bawag nicht durch riskante Spekulationen verloren, sondern irgendwie auf die Seite geschafft hätte, glaubt Gutachter Fritz Kleiner nicht.

Gutachter Fritz Kleiner hat heute, Freitag, am 64. Verhandlungstag im Bawag-Prozess, zur Frage Stellung genommen, wo das von Wolfgang Flöttl verlorene Geld der Bawag geblieben ist. "Es ist nicht mehr interessant, herauszubekommen wer Flöttl um sein Geld gebracht hat", sagte Kleiner. In der Finanzwelt sehe man den Gegenspieler auf der anderen Seite nicht. "Eine Annahme, dass das Geld zurückgeflossen ist (zu Flöttl, Anm.), lässt sich aus dem Akt durch nichts erklären", meinte Kleiner.

Die Unterlagen, die Kleiner und dem Gericht vorliegen, sind allerdings lückenhaft. Ausgerechnet für den Zeitraum Oktober 1998, als Flöttl nach eigenen Angaben den ersten großen Totalverlust erlitt und die von der Bawag ihm übertragenen 639 Mio. Dollar innerhalb von 16 Tagen gänzlich verlor, liegen keine Handelsbescheinigungen vor. Nur Käufe und Verkäufe vor dem Oktober 1998 sind durch Unterlagen dokumentiert. "Ich kann Ihnen nicht sagen, welche Trades welchen Verlust verursacht haben", sagte Kleiner heute bei der Befragung durch den Anwalt von Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner, Wolfgang Schubert.

"Keine Verschwörungstheorie"

Nach Berechnungen aus der Yen-Dollar-Kursentwicklung schloss der Gutachter, dass bis zum 11. August 1998 kein "extremer Verlust" passiert sein könnte, es müsste also jedenfalls nach dem 11. August erfolgt sein. Flöttl hatte angegeben, innerhalb von 16 Tagen im Oktober 1998 das gesamte Geld (639 Mio. Dollar) verloren zu haben, weil der Yen-Kurs gegenüber dem Dollar gestiegen war und er seine Spekulationen mit einem Hebel (Leverage) in Yen fremdfinanziert hatte. Kleiner zitierte aus einem "Foreign Exchange Outlook" der Barclays Bank vom 16. Oktober 1998. "Die Gründe für den Verfall des Dollar gegenüber dem Yen sind noch immer unklar. Es könnte sein, dass Verkäufer von Hedge Fonds dafür verantwortlich sind."

Eine "Verschwörungstheorie", dass nämlich Flöttl das Geld der Bawag nicht durch riskante Spekulationen verloren, sondern irgendwie auf die Seite geschafft hätte, würde nur Sinn machen, wenn Flöttls "Wette" nicht ins System der Brokerhäuser eingegeben wurde, sondern außerhalb des Systems geblieben sei. "Es müsste bei Morgan Stanley (Investmentbank, Anm.) einen gegeben haben, der sagt, ich handle das außerhalb des Systems. Ich schließe das schlicht und ergreifend aus", so der Gutachter.

Die Ross Global-Firma von Flöttl habe Geschäfte mit den weltweit größten Brokerhäusern wie Morgan Stanley, Goldman Sachs, Deutsche Bank und Lehman Brothers gemacht. Diese unterliegen der Bankenaufsicht, betonte Kleiner. "In der Finanzwelt sehen Sie nicht Ihren Gegenspieler, die Mitspieler im System kennen Flöttl nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in Hongkong jemand sitzt, der weiß wer Flöttl ist".

Flöttl selber betonte heute erneut, er habe nie seine Befugnisse überschritten oder das Recht verletzt. Er sei bei seiner Tätigkeit keiner Aufsichtsbehörde unterstanden, weil seine Firma in Bermuda ansässig war. "Was ich in Bermuda gemacht habe, durfte ich machen", beharrte der Spekulant. Elsner bestand darauf, dass Flöttl in seinem Geständnis vom Jahr 2000 ein Fehlverhalten eingestanden habe. Die Bawag habe Flöttl aber nicht zivilrechtlich geklagt, weil sie kein öffentliches Aufsehen wollte, musste er in Befragung durch Richterin Claudia Bandion-Ortner eingestehen. "Hat Flöttl wie ein ordentlicher Portfolio-Manger sorgfältig gehandelt?", wollte Elsner-Anwalt Schubert vom Gutachter wissen. Das habe er nicht untersucht, weil das nicht sein Auftrag gewesen sei, so Kleiner. Der Bawag-Prozess geht am Montag mit weiteren Befragungen weiter. (APA)

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