KÄUFER. Credit Suisse, ungarische OTP sowie Fonds Apollo sollen interessiert sein. genannt.
Wien (APA/dom). Die über Stiftungen der Familie-Turnauer, konkret Turnauer-Tochter Christine de Castelbajac, gehörende Constantia Privatbank soll vor dem Verkauf stehen. Als mögliche Käufer werden vor allem ausländische Banken sowie internationale Finanzinvestoren genannt. Nach Informationen aus Finanzkreisen könnte auch die Wiener Städtische am Kauf der Constantia Bank interessiert sein. Der Preis könnte bei etwa einer Mrd. Euro liegen. Die Constantia Bank managt auch die beiden Immobiliengesellschaften Immofinanz und Immoeast.
Dem Vernehmen nach ist eine große europäische Investmentbank mit dem Deal betraut. Ein Datenraum soll eingerichtet sein, die potenziellen Käufer bekämen bereits Einblick in die Bücher. Sie nehmen dabei nicht nur das Bankgeschäft, sondern auch die Zahlen der Immofinanz und der Immoeast unter die Lupe.
Als möglicher Käufer für die Constantia Privatbank gilt die Schweizer Großbank Credit Suisse, die bereits in Österreich vertreten ist. In Zürich will man das Gerücht auf Anfrage nicht kommentieren. Denkbar wäre auch, dass eine osteuropäische Großbank bei der Constantia einsteigt. Gerüchten zufolge könnte dies die ungarische OTP sein, die wie die Immoeast stark im Immobilien-Entwicklungsgeschäft in Osteuropa tätig ist. Ebenfalls genannt wird der Fonds Apollo, der bereits beim Bawag-Poker mitgemischt hatte.
Städtische: Kein Kommentar
Die Wiener Städtische Versicherung wollte das Gerücht, dass sie an der Constantia interessiert sei, nicht kommentieren. Bankenkreise halten es auf den ersten Blick für wenig wahrscheinlich, dass die mit der Erste Bank kooperierende Wiener Städtische sich bei der Constantia Privatbank einkauft und damit im Private Banking ihrem Partner Erste Bank Konkurrenz macht.
Die Constantia Bank selbst nimmt zu den Verkaufsgerüchten ebenfalls nicht Stellung.
Die Bank hatte zuletzt Jahr für Jahr Rekordergebnisse geschrieben. Die Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor. Im Geschäftsjahr 2006 hatte die von Karl Petrikovics geleitete Bank 56,7 Mio. Euro Gewinn erzielt, ein Plus von mehr als 50 Prozent. Das für Kunden verwaltete Vermögen belief sich auf 23,4 Mrd. Euro. Rund die Hälfte des Geschäfts stammte 2006 damals nach offiziellen Angaben aus dem Geschäft mit der Immofinanz und der Immoeast.
Die Aktienkurse der Immofinanz und Immoeast haben seit dem Ausbruch der Immobilienkrise im Herbst des Vorjahres stark an Wert verloren. Künftig dürften die Erträge aus dem Immobiliengeschäft bei der Constantia Bank deutlich zurückgehen. Vor allem große Kapitalerhöhungen, an denen die Bank kräftig verdient hatte, sind für die nächst Zukunft nicht zu erwarten. Bereits Anfang 2005 hatten mehrere Interessenten für die auf betuchte Private und Stiftungen spezialisierte Bank angeklopft. Darunter waren das Bankhaus Sal. Oppenheim und die Schweizer Großbank UBS. Als Preis wurde ein Betrag von über 300 Mio. genannt.
Damals beendete Prinz Michael Liechtenstein, der Aufsichtsratschef der Bank, alle Spekulationen: „Wir verkaufen nicht,“ sagte er und fügte hinzu, dass man die Bank mindestens fünf Jahre lang nicht abgeben werden.
AUF EINEN BLICK
Die Constantia Privatbank, die auch Immofinanz und Immoeast managt, soll vor dem Verkauf stehen.
Als mögliche Käufer gelten die Credit Suisse, die ungarische OTP, der Fonds Apollo sowie die Wiener Städtische.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2008)