Gegen den Wettbewerb„Linkswalzer gehört in Österreich zum guten Ton“, Leitartikel, von Martina Salomon, 31. Jänner
Dieser Leitartikel trifft sehr genau die an sich bedauernswerte politische Realität. Soweit ich mittlerweile durch meine Forschungen in der Sozialgeschichte sehe, ist es offenbar ein Teil der österreichischen kollektiven Befindlichkeit, dass man gegen Wettbewerb eingestellt ist. Ich fand ähnliche Strömungen im 19.Jahrhundert. Nehmen Sie doch nur das Schicksal der Gewerbeordnung 1859. Ein völlig liberales Gesetz wird im Laufe der Zeit wieder so verändert, dass es sich kaum mehr von der vorher geltenden Zunftordnung unterschied.
Dass in allen Parteien sozialdemokratische Politik praktiziert wird, ist eine traurige Tatsache. Offenbar wollen alle – unabhängig von ihrer Grundeinstellung – keinesfalls die allmächtige Kronenzeitung als erklärten Gegner haben. Ich frage mich bei der gegenwärtigen Situation, ob denn Neuwahlen überhaupt etwas verändern würden. Sehen Sie sich doch nur die theoretischen Alternativen an! Da kann man sich ja bloß verzweifelt die Haare raufen. Vor allem das Niveau dieser Leute lässt mehr als zu wünschen übrig. Damit meine ich diejenigen, die sich um das Dritte Lager raufen. Aber auch die SPÖ zeigt sehr deutlich, dass sie die sieben Oppositionsjahre nicht zur Erneuerung an Haupt und Gliedern nutzte, sondern im eigenen Saft weiterschmorte. Nicht gerade erfreulich. Wer soll da bitte schön die Zukunft des Landes mitgestalten, wenn die SPÖ ihre Zukunftswerkstatt zusperrt? Bleiben also nur Kalinas Wortspenden.
Mag. Johannes Kaiblinger
3150 Kreisbach
Mehr ist nicht drinnenSie beklagen in ihrem Artikel: „Das ist symptomatisch für ein Land, in dem es geringe Anreize gibt, bei Arbeitslosigkeit oder Pension noch einen Job zu suchen. Es geht uns gut“ – Sie meinen wohl zu gut, da sie ja vom sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat sprechen! Muss ich Ihnen wirklich die Praxis demonstrieren, bevor Sie solches niederschreiben? Nach meiner Pension als Ordinationshilfe (die bekanntlich im Niedriglohnbereich liegen) arbeite ich in meinem Bereich weiter und bekomme derzeit 340 Euro brutto/monatlich – mehr ist nicht drinnen, sonst würde meine karge Pension strafweise gekürzt. Meine Arbeitsfreude wird aber damit „belohnt“, dass mir Vater Staat nicht nur die Zuverdienstgrenze arg beschneidet, sondern vom Zuverdienst 1240 Euro als Einkommensteuer wieder wegnimmt. Bevor Sie Leute als Sozialschmarotzer hinstellen, recherchieren Sie vorher besser!
Gertrude Endl
2380 Perchtoldsdorf
Österreichischer NeidkomplexMit Ihrem Artikel „Linkswalzer gehört in Österreich zum guten Ton“ sprechen Sie mir aus dem Herzen! Wie Sie richtig schreiben, herrscht in Österreich noch immer die sogenannte „Vollkaskomentalität“, derzufolge die Republik für alles aufzukommen und alles bis ins kleinste Detail zu regulieren hat. Gleichzeitig verbittet man sich aber jegliche staatliche Einflussnahme, diese soll immer nur für „die anderen“ gelten!
Es mutet schon seltsam an, dass gerade in Österreich die größten Globalisierungsängste und die größte EU-Ablehnung herrschen, wobei gerade unser Land (und hier meine ich nicht nur Unternehmen und multinationale Konzerne!) am meisten von der Erweiterung profitiert!
Dass Personen mit einem Jahresbruttoeinkommen von 51.000 Euro als reich tituliert werden und Geldverdienen eine Schande ist, hat wiederum mit dem urösterreichischen Neidkomplex zu tun! Das diesbezügliche Gerede des Herrn Haselsteiner möchte ich erst gar nicht kommentieren!
Ing. Richard Rammler
2563 Pottenstein/Tr.
Überfetteter SozialstaatFrau Salomons Leitartikel kann man nur mit weinendem Auge zustimmen. In einem Land, in dem von praktisch allen Politikern im Ernst diskutiert wird, das Sozialsystem weiter auszubauen, wird in Zukunft wohl nicht mehr viel passieren, was dieses Land weiterbringen könnte. Der vollkommen überfettete österreichische Sozialstaat, der den wirklich Bedürftigen zu wenig hilft, dafür Geld im großen Stil sinnlos verteilt, der sich nun schon seit Generationen dumpfe und willfährige Sozialempfänger heranzüchtet, bräuchte dringend eine neoliberale Partei, die den Kreiskyschen Sozialstaatswahnsinn endlich in die Schranken weißt. Allein dass 2,5 Millionen Österreicher steuerbefreit sind und ein immer kleinerer Teil immer mehr an Steuern zahlt, ist unfassbar.
Doch was soll sich ändern in diesem Staat mit einer beeindruckend erfolglosen Regierung. Daher wird sich dieses Volk weiterhin dankbar zeigen für die vielen Leistungen, die ihnen vom Staat so großzügig geschenkt werden und nicht weiter nachfragen, woher denn wohl das Geld für die soziale Hängematte kommt, die viel zu vielen Platz bietet, die aber die wahrlich Betroffenen durchrutschen lässt.
Mag. Peter Kubesch
1120 Wien
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2008)